Klassenziel nicht erreicht - Abgang der Schulministerin

Viele hatten in dieser Woche mit einem Rücktritt der schusseligen Vize-Wirtschaftsministerin Mona Sahlin gerechnet. Doch heute rollte ein anderer Kopf im Kabinett des Göran Persson:
Die Schulministerin Ingegerd Wärnersson gibt ihr Amt im Februar auf und wird Regierungspräsidentin in der Provinz Blekinge. Damit reiht sie sich ein in die Schar der Landeshauptmänner und -frauen, die auf diesem ruhigen Posten zumeist nach Glücklosigkeit im früheren Amt landen.

Als Ingegerd Wärnersson vor vier Jahren in ihr Amt berufen wurde, hatte sie den nötigen Stallgeruch: Sie war Schulrektorin, saß im Ausschuss für Kultuspolitik des Reichstags und kannte also beides: die entscheidenden Verhandlungsgremien in Sachen Bildung und den mitunter grauen Schulalltag.
Es war eine Schule in Veränderung, mit neuen Lehrplänen und einem neuen Benotungssystem, das von Lehrern, Schülern und Eltern gleichermaßen angegriffen wurde. Unpraktische Dienstpläne, ein undurchsichtiger Leistungskatalog, zu wenig Spielraum - nur einige der Klagen, die damals laut wurden.

In den folgenden Jahren entwickelte sich die Schulfrage immer mehr zum Zankapfel: Untersuchungen im letzten Jahr zeigten, dass die Ministerin ihr selbst erklärtes Ziel nicht erreicht hatte, nämlich alle Gymnasialschüler auf ein ausreichendes Leistungsniveau in den Kernfächern Schwedisch, Englisch und Mathematik zu trimmen. Jeder zehnte Schulabgänger konnte den Anforderungen nicht genügen.

Zur Schuldabweisung musste die Sparpolitik in den Rezessionsjahren Anfang der 90er herhalten. Nachwirkungen, die Wärnersson mit einer Finanzspritze von fünf Milliarden Kronen einzudämmen suchte. Mit dem Geld sollten neue Lehrerstellen geschaffen werden. Der erdrückende Lehrermangel ist die größte Erblast der glücklosen Ministerin. In sechs Jahren, so lauten düstere Prognosen, werden im Land 5000 Lehrer fehlen. Gleichzeitig ist die Hälfte aller Ausbildungsstellen unbesetzt.

Die Kritik an Wärnersson kam vor allem von der bürgerlichen Opposition. Unsouverän, konturlos und kein Draht zu den Medien, so schallte es aus dem rechten Lager. Vorwürfe, die Wärnersson heute gegenüber Journalisten abtropfen ließ: ”Die Kritik kam von den Bürgerlichen und das ist ja ganz natürlich. Auch manche Zeitungen habe Stellung bezogen, ohne zu wissen, wer ich bin und was ich kann. Es gab diese Kritik, aber sie hat mich nicht davon abgehalten, mich für eine bessere Schule einzusetzen.”

Die Schlagzeilen waren gnadenlos: In einem Ranking von Sydsvenska Dagbladet schnitt sie unlängst am schlechtesten ab und auf den Kommentarseiten von Expressen wurde sie schon einmal als ”Katastrophen-Ministerin” geschmäht. Doch in den eigenen Reihen war sie beliebt. Noch auf dem Parteitag der Sozialdemokraten im November in Västerås konnte sie die Delegierten für ihre Visionen begeistern.

Den neuen Job in der Provinz sieht Wärnersson, entgegen allen Unkenrufen nicht als Abstrafung, sondern als neue Herausforderung für ein politisches Urgestein: ”Ich wurde gefragt, ob ich in der Regierung bleiben oder Regierungspräsidentin werden will. Ich bin 55 Jahre alt, habe lange in der Politik gearbeitet, davon viele Jahre im kommunalen Bereich. Und genau dort sehe ich spannende Aufgaben für die Zukunft.”

Alexander Budde

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