Neuer Schulminister modifiziert Parteitagsbeschlüsse


Die Schule wird immer mehr zum Wahlkampfthema. Das bekam der neu ernannte Schulminister Thomas Östros unmittelbar nach seiner Ernennung zu spüren. Denn die Kritik der Opposition ließ nicht lange auf sich warten. Die Debatte um die Zukunft der schwedischen Schulen ist im vollen Gange. Dieter Weiand mit den Einzelheiten

Der Bildungsminister Thomas Östros soll auch das Schulministerium der zurückgetretenen Ingergerd Wärnersson mit übernehmen. Dies gab Göran Persson im Rahmen seiner Kabinettsumbildung bekannt. Anlaß für die bürgerliche Opposition, diese Entscheidung gleich zu kritisieren. Jan Björklund von den Liberalen ist im Stadtrat von Stockholm verantwortlich für die Schulen: ”30 Jahre lang haben sich immer zwei Minister diese Aufgaben geteilt, weil es sich um viele und wichtige Fragen handelt. Jetzt wird Ingergerd Wärnersson praktisch mit niemanden ersetzt, sondern Östros übernimmt das gesamte Ministerium. Das ist doch ein Armutszeugnis, dass Göran Persson keinen Schulminister in der sozialdemokratischen Partei findet.”

Immer deutlicher wird, dass die Schule zum zentralen Thema im Vorfeld der Reichstagswahlen im September wird. Dass es mit den Schulen in Schweden - trotz guter Ergebnisse in der europäischen Pisa-Studie - nicht zum allerbesten steht, räumt auch der neue Minister, Tomas Östros ein: ”Die Einsparungen der 90er Jahre haben die Schulen hart getroffen. Da müssen wir jetzt wieder investieren. Vor allem müssen wir zusehen, dass alle Kinder, den Schulabschluss erreichen. Das ist für mich die wichtigste Fragestellung.”

Alle sollen die gemeinsamen Ziele erreichen, so das Credo der Sozialdemokraten. Den bürgerlichen Parteien genügt dieses Ziel nicht. Vor allem die Liberalen versuchen sich über die Schulpolitik zu profilieren. Daher sieht Björklund auch mit dem neuen Schulminister kaum Chancen für Verbesserungen: ”Es bleibt abzuwarten ob es einen großen Unterschied zwischen Östros und Wärnersson geben wird. Beide sind ja an die Politik der Sozialdemokraten gebunden, wie sie auf deren Parteitag beschlossen wurde. Da will man die Bedeutung der Noten reduzieren und auf lange Sicht Zeugnisse ganz abschaffen. Schüler, die gemobbt werden, müssen auch von den Schulen gehen, weil man sich weigert, den Lehrern mehr Befugnisse zu geben.”

Dass die Sozialdemokraten das Thema Schule nicht auf die leichte Schulter nehmen und sich nicht von den Liberalen in die Ecke drängen lassen wollen, wird jedoch deutlich. Denn der neue Schulminister beeilt sich, die Ergebnisse des Parteitages vom Ende des letzten Jahres gleich etwas zurechtzulegen, um so weniger Angriffsfläche zu bieten. ”Der Parteitag hat festgelegt, dass die Bedeutung der Noten als Zugangsberechtigung zu den Gymnasien ihre Bedeutung verlieren. Zeugnisse haben noch eine wichtige Rolle als Informationsträger für Lehrer und Eltern. Ich finde Zeugnisse also gut, aber nicht in den unteren Klassen. Allein Zeugnisse reichen auch nicht. Dazu müssen Gespräche zwischen Lehrern und Eltern kommen. Die Eltern müssen schließlich wissen, wie es ihren Kindern geht. Das ist enorm wichtig.”

Unterdessen will Björklund jedoch einen Schritt weiter gehen. Begabte Schüler sollen die neunte Klasse der Gesamtschule überspringen können und direkt aufs Gymnasium gehen. Die Talente seien nun einmal unterschiedlich verteilt und müssten gefördert werden, so Björklund. Schulminister Östros will dagegen erst einmal die allgemeine Situation an den Schulen verbessern: ”Ich glaube der Status und die Autorität der Lehrer muss wieder verbessert werden, ohne die altmodische Autorität der Vergangenheit zu erreichen. Da müssen die Löhne und die Arbeitsbedingungen besser werden und unser Respekt vor ihrer Aufgabe muss wachsen.”

Ähnliche Forderungen haben auch die bürgerlichen Parteien bereits seit Monaten formuliert. Doch weder die bürgerliche Opposition noch die in der Minderheit regierenden Sozialdemokraten haben konkrete Vorschläge unterbreitet, wie diese Ziele erreicht werden können.

Dieter Weiand

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