Rekordverlust für Ericsson

Die Flaute auf dem Handymarkt trifft alle Anbieter, aber Ericsson - das Flaggschiff der schwedischen Industrie - hat es besonders hart erwischt. Wie erwartet hat der Telekom-Ausrüster das Geschäftsjahr mit einem Rekord-Verlust abgeschlossen. Doch für Analysten dürften die Ergebnisse, die Ericsson-Chef Kurt Hellström heute abgeliefert hat, eine harte Nuss sein: Der Verlust im Gesamtjahr fiel niedriger, der im letzten Quartal aber wesentlich höher aus als erwartet. Die Umsätze fallen, während Ericsson gleichzeitig die Kosten reduziert.

Wie das Unternehmen mitteilt, betrug das Minus für 2001 rund 30 Milliarden Kronen, umgerechnet etwa drei Milliarden Euro. Im Jahr 2000 hatte der viertgrößte Handy-Hersteller der Welt noch über eine Milliarde Euro Gewinn gemacht. Und die Verluste im vierten Quartal fielen mit mehr als 2 Milliarden Euro deutlich höher aus als vorhergesagt. Zu den Zahlen Ericsson-Chef Kurt Hellström:

”Noch vor einem halben Jahr sah es rabenschwarz aus”, so Hellström. Doch Ericsson habe das schlimmste Jahr in der Geschichte der Mobilbranche gut überstanden . Und man habe sich
besser als alle anderen auf den geschrumpften und weiter schrumpfenden Markt eingestellt.

Ein weltweiter Einbruch der Investitionen in Telekom-Netze, Verluste in der Mobilbranche und enorme Anfangskosten für das Milliarden schwere Sanierungsprogramm werden für den Rekordverlust verantwortlich gemacht. Seit März letzten Jahres hat Ericsson rund 20 000 Stellen abgebaut und allein die so genannte Tango-Krise, also die Rezession in Argentinien, kostete den Konzern 150 Millionen Euro.

Handys, bislang der unprofitabelste Geschäftsbereich von Ericsson, werden seit Anfang Oktober in einem Gemeinschafts-unternehmen mit dem japanischen Elektronikgiganten Sony produziert. Ericsson erwartet, dass dieser Bereich bereits in diesem Jahr profitabel arbeitet. Noch einmal Kurt Hellström: ”Zum Herbst könnten wir in die Gewinnzone kommen. Aber wir sind da sehr vorsichtig geworden, so etwas vorherzusagen. Wir sind aber optimistisch.”

Erst gestern hatte der finnische Nokia-Konzern, schärfster Konkurrent und Weltmarktführer in der Mobilsparte, die Karten auf den Tisch gelegt und einen unerwarteten Gewinn im vierten Quartal vermeldet. Warum kommen die Finnen mit der Krise besser zurecht? Dafür hat der Telekom-Analyst Bo Edvardsson von ”Fischer und Partner” eine ernüchternde Erklärung: ”Diesen Vorsprung kann Ericsson nicht einholen: 40 Prozent Marktanteil und dazu sehr tüchtige Ingenieure und Entwickler. Die ganze Produktlinie ist einfach besser.”

Auch in diesem Jahr wird die bevorstehende Umstellung auf die neue Mobilfunktechnik UMTS in Europa noch nicht zu einem merklichen Wiederaufleben des Geschäfts führen, dämpft Hellström die Erwartungen der Investoren. Doch die Börse nahm es heute gelassen. Schließlich hätte alles viel schlimmer kommen können, wenn sich der Konzern nicht einen rigiden Sparkurs verordnet hätte. Das Ericsson-Papier fiel an der Stockholmer Börse nach der Bilanzveröffentlichung bis zum frühen Nachmittag um 6,2 Prozent auf 46,60 Kronen.

Alexander Budde

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