Presseschau: Mord an Fadime

Am Montagabend wurde in Uppsala die 26-jährige Fadime Sahindal erschossen. Der mutmaßliche Mörder - ihr Vater. Die junge Frau fiel dem Ehrenkodex ihrer kurdischen Familie zum Opfer. Besonders die männlichen Familienmitglieder, ihr Vater und ihr Bruder, hatten nicht akzeptiert, dass Fadime ihren eigenen Weg wählte. Sie studierte und hatte einen schwedischen Freund. Der sogenannte Ehrenmord hat die Diskussionen über die problematische Situation junger Ausländerinnen erneut entfacht. Die Empörung darüber spiegelt sich in den Leitartikeln der Landespresse wider. ”Der Mord an Fadime ist auch eine Niederlage für Schweden”, schreibt Uppsala Nya Tidning. ”Es ist nicht gelungen, jene Bürger zu integrieren, denen das Verständnis für schwedische Normen und den schwedischen Rechtsstaat fehlen. Wir sind auf grausame Weise an die Hilferufe von jungen Mädchen und Frauen erinnert worden und daran, dass wir diese Hilferufe ernst nehmen müssen.”Schwedens größte Tageszeitung Dagens Nyheter wirft die Frage auf, ob Fadime ausreichend von der Polizei geschützt worden ist. Ihr Vater und Bruder hatten sie bereits früher bedroht. ”Eine Schlüsselposition in solchen Fällen”, schreibt die Zeitung, ”haben jedoch die Sozialbehörden, die schon im frühen Stadium hätten eingreifen müssen. Nachbarn, Schule, Polizei und Sozialbehörden zusammen tragen Verantwortung. Aber die Kenntnisse über fremde Kulturen variieren bei den Sozialbehörden im Lande stark. Viele Sozialarbeiter sind immer noch der Meinung, Probleme dieser Art könnten durch Gespräche gelöst werden. Aber oft ist die einzige Möglichkeit, die jungen Opfer effektiv und mit strengen polizeilichen Maßnahmen vor ihren Familien zu schützen.” Auch Smålandsposten beschäftigt die Frage, wie den Ehrenmorden am besten vorzubeugen ist und kommt zur der Schlussfolgerung, dass polizeiliche Maßnahmen allein nicht ausreichen. ”Im Grunde handelt es sich darum, eine kulturell bedingtese Handlungsweise zu brechen”, heißt es in dem Leitartikel.Die Zeitungen würdigen Fadime Sahindal und ihren Mut, trotz der lebensgefährlichen Bedrohung ihren eigenen Weg zu gehen. Die Abendzeitung Aftonbladet zitiert Fadime aus einem Artikel im Februar 1998:”Ich weiß, dass ich das Richtige tue. Ich weigere mich, in die Türkei zu fahren und wie ein Stück Vieh verheiratet zu werden. Ich will mit dem leben, den ich liebe, studieren und mein eigenes Heim haben. Ist das zuviel verlangt?”

Gundula Adolfsson

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