In Memoriam

Astrid Lindgren schrieb sich in die Herzen von Jung und Alt

* 14. November 1907 (Vimmerby/Småland), † 28. Januar 2002 (Stockholm)

Die wohl berühmteste Schriftstellerin Schwedens ist gestorben. Astrid Lindgren - Erfinderin von „Pippi Langstrumpf” und „Karlsson vom Dach” stand seit Jahren an der Spitze der beliebtesten Kinderbuchautoren. Die Schriftstellerin hat ihr jahrelanges Engagement nicht nur Kindern sondern auch Tieren gewidmet.

Hätte es im März 1944 in Stockholm nicht geschneit, würde heute wohl kein Kind „Pippi Langstrumpf” kennen. An einem Tag im März rutschte die Sekretärin Astrid Lindgren auf der glatten Straße aus und brach sich den Knöchel. Weil sie das Bett hüten musste und der Geburtstag ihrer Tochter Karin bevorstand, begann sie die Geschichte des rothaarigen Mädchens aus der Villa Kunterbunt aufzuschreiben.

Selbst einmal Kind gewesen sein

Nicht nur „Pippi” erobert die Kinderherzen, auch die nachfolgenden Figuren wie Kalle Blomquist, Michel aus Lönneberga oder Ronja Räubertochter werden literarische Erfolge. Am meisten wundert sich darüber die Autorin selbst, die zu Schulzeiten geschworen hatte, nie Schriftstellerin zu werden. Schon damals hatte man ihr Talent bemerkt und sie als die „Selma Lagerlöf von Vimmerby” bezeichnet.

Neudenken
Der kleine, südschwedische Ort Vimmerby ist Astrid Lindgrens Heimat und gleichzeitig auch Kulisse für viele ihrer Geschichten. Wie die Kinder aus Bullerby erlebt sie als Kind die Welt, geborgen in Familie und Natur.

Das Erscheinen der ersten Lindgrenbücher fällt in eine Zeit des gesellschaftlichen Umdenkens. Neue pädagogische Ideen verabschieden den autoritären Erziehungsstil der 50er Jahre. Die kindliche Phantasie wird zum Maßstab für die Bewertung der Erwachsenenwelt.

Kaum einem Schriftsteller gelingt es wie Astrid Lindgren sich in die kindlichen Phantasievorstellungen hineinzuversetzen - das Talent dafür beschrieb sie einmal so: „Es ist überhaupt nicht nötig eigene Kinder zu haben, um Kinderbücher schreiben zu können. Man muss nur selbst einmal Kind gewesen sein - uns sich so ungefähr daran erinnern, wie das war.”

Auch tabuisierte Themen wie Krankheit, Tod und Einsamkeit kommen in Lindgrens Büchern vor. 1972 erregt sie mit einem „Totenmärchen für Kinder” Aufsehen. Nicht alle Kritiker empfinden „Die Brüder Löwenherz” als Trostbuch, wie die Autorin die Geschichte bezeichnet.

In 80 Sprachen
Inzwischen ist die Schwedin weltweit bekannt, sie erhält zahlreiche Auszeichnungen und Preise. In Kiel wird 1984 die erste Straße in Deutschland nach ihr benannt, eine Studentin promoviert über „Pippi Langstrumpf”. Mitte der 80er Jahre beginnt Astrid Lindgren sich für den Tierschutz zu engagieren. Gemeinsam mit der Tierärztin Kristina Forslund löst sie eine gesellschaftliche Debatte über die Massentierhaltung aus und erreicht schließlich die Änderung des schwedischen Tierschutzgesetzes.

Insgesamt hat Astrid Lindgren über 80 Bücher geschrieben, die in rund 80 Sprachen übersetzt und 80 Millionen mal verkauft wurden.

Inken Loeden/Dieter Weiand

Mehr über Astrid Lindgren:


Aus Astrid Lindgrens Tätigkeit

1924 Arbeit bei einer Lokalzeitung in Vimmerby
1926 Ausbildung zur Sekretärin in Stockholm
1944 ”Pippi Langstrumpf” als Geburtstagsgeschenk für ihre Tochter Karin. Das Manuskript wird zunächst von einem schwedischen Verlag abgelehnt.
1946 Autorenpreis für Jugendkrimi ”Meisterdetektiv Blomquist”
1947 ”Wir Kinder aus Büllerbü”
1954 ”Mio, mein Mio”
1955 ”Karlsson auf dem Dach”
1960 ”Madita”
1963 ”Michel aus Lönneberga”
1964 ”Saltkrokan”
1973 ”Die Brüder Löwenherz”
1978 Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
1981 ”Ronja Räubertochter”

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