Führungsspitze der Grünen tritt ab

Das Sprecherduo an der Spitze der Grünen in Schweden gab gestern seinen Rücktritt bekannt. Mats Hammarström teilte mit, dass familiäre Gründe den Ausschlag gegeben haben, Lotta Nilsson Hedström ist der Meinung, dass eine Doppelleitung nicht funktioniert. Jetzt ist der Streit über das Für und Wider von zwei Sprechern an der Spitze ausgebrochen.

Die Grünen in Schweden verlieren an Wählergunst. Gut ein halbes Jahr vor der Reichstagswahl im September kratzt die Partei knapp unter der 4-Prozent-Hürde herum. Schuld daran, so glauben einige, könnte auch das Doppelgespann an der Spitze sein. Es fehle eine schlagkräftige Persönlichkeit, die die Themen der Grünen in der Öffentlichkeit überzeugend darstellen kann. Lars Ångström, der für die Grünen im Reichstag sitzt, ist der Meinung, dass sich die Partei mit einer Stelle für Parteivorsitz sowie einer Stellvertreterstelle klarer profilieren könnte. Die Zweierkonstellation lehnt er ab: ”Das hat zu einer Undeutlichkeit beigetragen. Auch, wenn man die gleiche politische Einstellung hat, formulieren zwei Menschen sie unterschiedlich, und es schwer zu verstehen, wenn zwei Sprecher die Linie der Partei formulieren. Und auch innerparteilich, wenn es darum geht, Beschlüsse zu fassen und umzusetzen. Wenn es einen Vorsitzenden- und einen Stellvertreterposten gibt, können sie sich die Arbeit teilen. Gleichzeitig wird deutlich, wer die Verantwortung nach aussen trägt.”

Seine Parteikollegin Yvonne Ruwaida sieht die Gründe für die sinkende Wählergunst nicht nur in der Präsentation nach aussen. Auch die Themen, mit denen sich die Grünen traditionell beschäftigen, hätten in der letzten Zeit nicht im Fokus der Politik gestanden. Und es sei zu wenig klar geworden, dass die Grünen weder rechts noch links stehen, sondern eben grüne Positionen vertreten. Ein Faktum, das durch das Stützen der sozialdemokratischen Regierung zusammen mit der Linkspartei in vielen Fragen verwischt werde. Bei der Doppelspitze gehe es jedoch um wichtige Werte der Partei, so die Reichstagsabgeordnete Yvonne Ruwaida: ”Das gehört zu den Grundpfeilern der Partei, da geht es um die Gleichstellung, dass wir sowohl Männer als auch Frauen auf allen Posten haben wollen, und auch bei allen Entscheidungen. Es geht um die Demokratie. Mit einem Parteivorsitzenden steht sehr viel mehr nur eine Person im Fokus und hat so sehr viel mehr Macht.”

Ob sich an der Führungsform der Grünen etwas ändert, wird der Parteitag im Mai erweisen. Doch schon jetzt wird mit Åsa Domeij eine Nachfolgerin gehandelt, die der Doppelspitze nicht viel abgewinnen kann. Ob sich die 39-Jährige Landwirtin durchsetzen wird, die zu den Mitbegründern der Grünen gehört, kann schon bald entschieden sein. Am Wochenende setzt sich die Wahlkommission zusammen um für die abgetretenen Sprecher Nachfolger zu suchen.

Agnes Bührig

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade ljud i menyn under Min lista