Teurer Kindersegen

Ein Mann, der privat Sperma spendet, ist juristisch als Vater anzusehen. Dieses Urteil fällte jetzt das Amtsgericht Örebro in einem Aufsehen erregenden Prozess. Demnach muss ein 35-Jähriger, der sich einem befreundeten lesbischen Paar als Donator zur Verfügung gestellt hatte, für drei Kinder Unterhalt zahlen.

Vor reichlich zehn Jahren hatten der 35-Jährige und die beiden Frauen die Spermaspende privat vereinbart. Alle drei waren sich damals einig: Eltern der Kinder sollten die Frauen sein. Gleichwohl unterschrieb der Mann eine Vaterschaftsanerkennung. Die Kinder, so seine Überlegung, sollten Klarheit über ihre Herkunft haben. Damit war für ihn der Freundschaftsdienst geleistet und der Fall abgeschlossen. Jegliche weitere Verantwortung für die Kinder übernahm das lesbische Paar. Auch die finanzielle. Bis zu dem Zeitpunkt, da die Ehe der beiden Frauen zerbrach. Die leibliche Mutter der Kinder verklagte ihre frühere Lebensgefährtin zu Unterhaltszahlungen, die Frau gab die Forderung an den Samenspender weiter.

Und nun also hat das Gericht sein Wort gesprochen: der Samenspender ist auch juristisch der Vater. Und einem Vater obliegen Versorgungspflichten. Ergo: der Mann muss für die dre Kinder zahlen. Für Schwedens Homosexuellen-Organisationen ist der Fall ein weiterer Beleg dafür, dass die bestehende Gesetzgebung der Realität hinterherhinkt. Hätten Homosexuelle das Recht auf künstliche Befruchtung und Adoption, wwäre diese Familientragödie nicht passiert, meint Anett Sjödin, Stellvertrende Vorsitzende des Landesvernades der Schwulen und Lesben:

"Wir wollen eine Gesetzgebung, die auch diesem Typ von Familien angepasst ist. Die klassische Kernfamilie mit Mutter, Vater und zwei Kindern ist doch längst nicht mehr das allein herrschende Bild. Wir brauchen eine Gesetzgebung, die zwei Personen gleichen Geschlechts die Elternschaft erlaubt und die es beispielsweise gestattet, dass lesbische Frauen ebenso wie heterosexuelle Paare im Krankenhaus die Möglichkeit bekommen, Samenspenden zu empfangen."

Die private Umgehung des Gesetzes, das bislang eben nur anonyme Samenspenden nur für verheiratete Paare zulässt, wird den 35-Jährigen aus Örebro nun also teuer zu stehen kommen. Anett Sjödin hofft, dass entsprechende Gesetzesänderungen nicht mehr lange auf sich warten lassen. Bereits in der kommenden Woche wird die Regierung einen Gesetzesentwurf vorlegen, der Homosexuellen die gleichen Adoptionsrechte wie Heterosexuellen einräumt. Geplant sind auch Beratungen über das Recht lesbischer Frauen auf Spermaspenden.

Anne Rentzsch

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