Frau erbricht sich über einer Toalette (Foto: Fredrik Sandberg/TT)
Ein Norovirus der besonderen Art macht alljährlich den Schweden zu schaffen (Foto: Fredrik Sandberg/TT)

Schweden entwickeln Alarm gegen Brechreiz-Viren

Testobjekt: Die "Winterkotzkrankheit"
2:28 min

Mit einem neuen Warnsystem soll künftig die Verbreitung von Viren gestoppt werden.

Forscher an der Königlich-Technischen Universität (KTH) von Stockholm entwickeln Sensoren, die Alarm schlagen, wenn sich Viruspartikel im Raum befinden. Entwickelt wird der Viren-Warner anhand des hierzulande häufig auftretenden und allseits gefürchteten Norovirus. 

Immense öffentliche Kosten

Ein Norovirus der besonders hartnäckigen Art legt alljährlich im Winter ganze Krankenhausabteilungen, Firmen und Schulen lahm. Lediglich bis zu 100 Viruspartikel reichen für die Luftweg-Übertragung und Ansteckung aus. Eine Impfung oder wirksame Behandlung gegen die Erkrankung, die hierzulande treffend als „Vinterkräksjukan“, also die Winterkotzkrankheit bezeichnet wird, gibt es nicht. Ein neuer Viren-Warner, entwickelt an der KTH im Rahmen eines EU-Forschungsprojektes, könnte künftig Erleichterung schaffen.

„Unser Ziel ist es, eine kostengünstige Technologie zu entwickeln, die das Norovirus in der Luft erkennen kann. Befinden sich Viruspartikel in einem Zimmer, kann der Apparat diese an einem Sensor einfangen und dann Informationen innerhalb einer Stunde bereitstellen“, erklärt der Forschungsleiter Fredrik Carlborg das Ziel des Projektes.

Für Krankenhäuser interessant

Jedes Jahr erkranken etwa eine Million Menschen in Schweden an dem Brechvirus, das in allen kälteren Breitengraden der Welt verbreitet ist. Nach zwei Tagen Inkubationszeit löst das Virus Beschwerden wie Durchfall, Kopfweh, Bauchschmerzen und, vor allen Dingen, unkontrollierten Brechreiz aus.  Krankheitsausfälle verursachen immense öffentliche und private Kosten – vor allem, wenn Krankenhauspersonal ausfällt und Operationen verschoben werden müssen. Deswegen könnten Krankenhäuser zu den wichtigsten Abnehmern des Brechvirus-Alarms werden, so Carlborg. Aber auch Arztpraxen, Seniorenheime, Kindergärten oder Flugplätze.

„ Man könnte dort mit dem Apparat verifizieren, ob Virenpartikel im Staub oder Lüftungssystem übrig sind. Den Boden kann man abwaschen und sterilisieren. Die Luft zu reinigen ist aber um einiges schwieriger.“

Künftig auch gegen Vogelgrippe-Viren

Sollte sich der Viren-Messer als funktionstüchtig erweisen, so könnte dieser auch bei anderen, weitaus gefährlicheren Viren zum Einsatz kommen. Etwa wenn Transportcontainer auf Reste von Vogelgrippen-Viren abgetastet werden sollen.

Dies ist allerdings noch Zukunftsmusik. Die KTH-Forscher haben bislang einen Prototyp entwickelt. Jetzt haben sie insgesamt drei Jahre Zeit, um ein funktionsfähiges System zu entwickeln, dass zudem billig genug hergestellt werden kann, um es kommerziell zu vertreiben.    

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