Afghanistan: Schweden erhält erweitertes Mandat

Aus dem einst so betont USA-kritischen und bündnisfreien Schweden ist ein regelrechter Allianzpartner geworden. Im Rahmen des Nato-Einsatzes in Afghanistan wird Schweden künftig für den Wiederaufbau im Norden des kriegszerrütteten Landes verantwortlich sein. Das sagte Verteidigungsministerin Leni Björklund ihrem US-Kollegen Donald Rumsfeld zu. Damit übernimmt erstmals ein Nichtmitglied eine derartige Aufgabe innerhalb der Nato.

Schon bei ihrem Besuch in Afghanistan vor drei Wochen war Leni Björklund mit der Frage konfrontiert worden. Präsident Hamid Karzai wünschte sich von den Schweden ein größeres Engagement in der verhältnismäßig stabilen Region um die Stadt Mazar-i-Sharif. Dort versehen derzeit britische Truppen ihren Dienst. Doch sie sollen in den unruhigen Süden Afghanistans verlegt werden, wo immer noch Terroristenchef Osama bin Laden vermutet wird. Jetzt, bei ihrer Visite in Washington, einigte sich Björklund mit US-Verteidigungsminister Rumsfeld ganz offiziell auf ein vergrößertes Mandat in Afghanistan:

„Unser Auftrag besteht darin, die militärische und zivile Ordnung aufrechtzuerhalten, damit das Gebiet sicher bleibt. Das wird nicht immer leicht sein. Denn natürlich gibt es dort genügend Gruppen, die vermeiden wollen, dass die Regierung ihren Einflussbereich über Kabul hinaus ausweitet.“

Unterstützung durch nordische Nachbarn 

Verteidigungsministerin Björklund wollte nur andeuten, dass für den erweiterten Auftrag das schwedische Kontingent von derzeit 87 Soldaten nicht ausreicht. Die doppelte Stärke sei erforderlich. Inzwischen gilt als wahrscheinlich, dass sich auch Schwedens Nachbarländer Dänemark, Norwegen und Finnland an dem Mandat beteiligen werden, um die Region um Mazar-i-Sharif zu befrieden. Im Vordergrund stünden zunächst aber Ehre und Verantwortung, die Schweden durch den Einsatz zuteil würden, sagt Ministerin Björklund:

„Zum ersten Mal übernimmt ein Nichtmitglied eine solche Aufgabe innerhalb der Nato. Dafür benötigen wir natürlich jede zugängliche Information, um unseren Auftrag gut zu erfüllen. Und das hat man uns zugesichert.“

Finanzierung unklar 

Dennoch bleibt eine reihe organisatorischer Fragen weiterhin ungeklärt. So ist etwa angesichts umfassender Standortschließungen beim schwedischen Militär nicht sicher, wie ein erweiterter Einsatz in Afghanistan finanziert werden soll. Zudem muss das Parlament diesem Auftrag zustimmen, bevor er ausgeführt werden kann. Und da wird die sozialdemokratische Minderheitsregierung wohl auf die Unterstützung der bürgerlichen Opposition zählen müssen.

Alexander Schmidt-Hirschfelder

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade ljud i menyn under Min lista