Fussballarenen kein Ort für politische Kommentare

Dürfen Fussballvereine ihre Arenen für politische Stellungnahmen nutzen? Diese Frage stellt sich nach der Entscheidung des Erstligisten Assyriska, bei einem regulären Heimspiel mit einer Schweigeminute des Völkermordes an Armeniern und Assyrern vor 90 Jahren zu gedenken. Nach Ansicht des Schwedischen Fußballverbands eine unzulässige politische Demonstration.

Es gibt keine eindeutigen Regeln, in welchem Rahmen politische Botschaften bei schwedischen Fussballspielen zugelassen sind. Das Beispiel des Einwanderervereins Assyriska trifft die schwedischen Funktionäre daher unvorbereitet. Für die kommende Saison will sich die Interessensorganisation schwedischer Kicker daher die Gepflogenheiten auf europäischer Ebene zum Vorbild nehmen, sagt der Vorsitzende des schwedischen Fussballverbandes, Lars Åke Lagrell: ”Wie die Regeln aussehen werden, das kann ich heute noch nicht sagen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass sich unsere Richtlinien nach denen des europäischen Fussballverbandes richten. Und da wäre eine Situation, wie wir sie bei dem Spiel von Assyriska hatten, nicht zulässig.”

Die Frage in jedem Einzelfall dürfte jedoch sein, ob es sich bei der politischen Aussage um kontroverse Sachverhalte handelt oder nicht. Schliesslich haben schwedische Parteien in der Vergangenheit des öfteren Fussballspiel und Politik zusammengeführt. So verband etwa die Vorsitzende der Zentrumspartei Maud Olofsson den Beginn eines Parteitages mit einer Rede in der Arena des Umeå IK, kurz bevor dort ein Heimspiel der dortigen Damenmannschaft beginnen sollte. Und auch daran, dass der Umzug der Sozialdemokraten zum 1. Mai in Gävle just vor den Toren der Arena Strömvallen endete, wo der Verein Gefle IF alsbald ein Spiel antreten sollte, verwunderte keinen. Lars Åke Lagrell ist der Meinung, dass solcherlei Politikäusserung auch in Zukunft erlaubt sein wird: ”Wenn eine politische Vereinigung einem Verein einen Fussball bezahlt, ist das wunderbar. Damit wird kein Fussballfan ein Problem haben. In unseren Bestimmungen steht aber, dass es nichts Verletzendes oder Anstössiges sein darf. Das ist eine Frage des gesunden Menschenverstandes.”

Der gesunde Menschenverstand hätte auch ausreichen können, um das Verhalten der Einwanderermannschaft Assyriska zu verstehen. Sie haben schliesslich mit ihrer Schweigeminute an ein Unrecht erinnert, das auch der schwedische Staat als solches anerkannt hat, den Völkermord an den Armeniern vor 90 Jahren nämlich. Der schwedische Fussballverband misst hier augenscheinlich mit zweierlei Maß. 

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