Grüne stärken Feminismus-Profil

Gleichberechtigungs-Fragen liegen in Schweden derzeit im Trend. Vor allem, seit ein neu gegründetes ”Feministisches Netzwerk” Kurs auf die Wahlen im kommenden Jahr nimmt. Nun wollen sich auch Schwedens Grüne stärker feministisch profilieren. Einen eigenen Frauenverband wird die Partei allerdings nicht gründen. Dies beschloss der Parteitag am Freitag mit überwältigender Mehrheit.

Frauenverband ja oder nein? Dieser Frage widmete der Parteitag der Grünen im nordschwedischen Gävle am Vormittag hitzige Debatten. Vor einem halben Jahr war innerhalb der Partei das Netzwerk „Grüne Frauen“ gegründet worden, das offiziell als Frauenverband anerkannt werden will. Doch die Abstimmung fiel schließlich recht eindeutig aus: mit 101 zu 31 Stimmen plädierten die Abgeordneten für Nein. Enttäuschung bei den Netzwerk-Frauen; zu ihnen gehört Nashmal Aram:

“Einen Frauenverband wollen wir nicht deshalb, weil wir etwa Männer hassen und auch nicht weil wir uns irgendwie absondern und allein mit Feminismus-Fragen arbeiten wollen. Aber wir brauchen eine Organisation, in der wir Ressourcen und Erfahrungen sammeln können“, sagt Nashmal Aram.

In jüngster Zeit, so meinen die Frauen des Netzwerks, trete die Gleichstellungs-Arbeit in der Partei auf der Stelle. Neue Impulse würden gebraucht. Ywonne Ruwaida, Parlamentsabgeordnete der Grünen, sieht einen extra Frauenverband aber nicht als Lösung des Problems. Sie begrüßt die Entscheidung des Parteitages:

“In den Parteien, in denen es einen gesonderten Frauenverband gibt, haben die Frauen letztlich nicht die Macht. Sie haben nicht wirklich Einfluss, sondern sitzen dort in ihrem Verband und sagen kluge Dinge, die die Partei am Ende doch nicht in die Realität umsetzt.“

In Schweden, dem Land, das weltweit als Vorbild in Sachen Gleichstellung gilt, ist der Begriff Feminismus derzeit höchst populär. Vor allem seit der kürzlichen Gründung einer parteiübergreifenden so genannten „Feministischen Inititaive“,  die mit einer Teilnahme an den Reichstagswahlen im Herbst nächsten Jahres liebäugelt. Auch im Musterland der Gleichberechtigung liegt noch so manches im Argen; so sind Frauen im allgemeinen weiterhin schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen. Frauenverband hin oder her – dass die Partei Gleichstellungsfragen größere Aufmerksamkeit widmen muss, darin war sich der Parteitag der Grünen deshalb einig.

“Wir müssen besser und schließlich am besten im Kampf um wahre Gleichstellung der Geschlechter in Schweden werden“, stellte der Co-Vorsitzende Peter Eriksson klar. Feministischen Fragen, so kündigte er an, wolle man künftig ebenso viel Aufmerksamkeit widmen wie der Umweltpolitik. 

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