Privatmuseen wettern gegen freien Eintritt

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Der Vorschlag von Kulturministerin Bah Kuhnke, keinen Eintritt in den staatlichen Museen mehr zu verlangen, stößt bei den Betreibern der Privatmuseen auf Kritik. So sei zum Beispiel keineswegs gewährleistet, dass der freie Eintritt bislang wenig interessierte Bevölkerungsschichten zur Kunst locke.

Abba The Museum, das Fotographische Museum und Artipelag bei Gustavsberg, rund 20 Kilometer vor Stockholm sind drei von immerhin sechs Museen, die sich innerhalb nur weniger Jahre in der Hauptstadt etabliert haben. Das ist längst nicht nur für die klassischen Kulturinteressierten von Bedeutung, erklärt Lotta Andersson von der Schwedischen Handelskammer im Schwedischen Fernsehen.

„Stockholm gehört zu den am stärksten wachsenden Reisezielen weltweit, da spielt das Kulturangebot eine wichtige Rolle. Aber es ist auch für uns Stockholmer wichtig, damit die richtigen Leute nach Stockholm gelockt werden. Denn das wiederum wirkt sich positiv auf die Wirtschaft aus.“

Naive Vorstellung?

Der rot-grünen Regierung nun schwebt vor, zu dem alten Modell von 2005 zurückzukehren. Damals hatten die Sozialdemokraten den Eintritt in 19 staatlichen Museen für gratis erklärt, und tatsächlich stiegen die Besucherzahlen immens an. Dies zeigt ein Bericht der Behörde für Kulturanalyse. Die Krux: Man weiß nicht, ob dieselben Kunstfreunde einfach öfter gingen oder ob auch Besucher kamen, die sonst nie ihren Fuß in ein Museum gesetzt hätten. Für die war das Konzept nämlich eigentlich gedacht – so wie das Kulturministerin Bah Kuhnke auch heute wieder im Sinn hat.

Jan Broman, Gründer des Publikumsmagneten „Fotografiska“ nahe des Verkehrsknotenpunkts Slussen in der Stockholmer Innenstadt, hält die Idee für wenig durchdacht, erklärt er gegenüber Radio Schweden.

„Man ändert doch die Zielgruppen nicht dadurch, dass man etwas gratis macht. Man muss Menschen einbeziehen, indem man Programme entwickelt, in denen sie sich wiedererkennen und an denen sie teilnehmen wollen. Zu denken, dass man etwas Elitäres umsonst anbieten kann und plötzlich ganz neue Gäste bekommt, ist reichlich naiv.“ 

Wettbewerbsverzerrung gewittert

Broman macht sich aber noch über etwas ganz anderes Gedanken. Was nämlich passiert mit dem freien Wettbewerb, wenn die staatlichen Museen plötzlich kein Eintrittsgeld mehr verlangen?

„Das ist doch völlig hirnrissig. Statt mehr Integration von neuen Besuchern subventioniert man das Publikum von heute. Damit wird der gesamte Wettbewerb verzerrt. Wir konkurrieren doch um die Zeit der Menschen und wenn dann das eine Museum gratis ist, das andere aber nicht, die Menschen aber den Inhalt als gleichwertig erleben, dann ist das aus der Sicht des freien Wettbewerbs äußerst unglücklich.“

Die Chefin der privaten Bonnier Kunsthalle, Sara Arrhenius, findet es dagegen richtig, den Eintritt zu streichen und damit den Weg zur Kunst für mehr Leute zu ebnen – und hat es mit ihrem Museum jüngst vorgemacht. Der Kunsthalle fällt dies leicht, da sie ohne jeglichen Gewinnbedarf mit dem milliardenschweren Bonnier-Konzern im Rücken arbeitet. Dass sich gänzlich neue Zielgruppen erreichen ließen, glaubt Arrhenius allerdings auch nicht.

„Wir arbeiten mit neuer und junger Kunst und damit Kunst, die für viele unbekannt ist. Wir wollen natürlich diese Kunst einem breiteren Publikum zeigen und halten den freien Eintritt für einen wichtigen Schritt. Das heißt aber nicht, dass sich das Publikum dann gegen ein Museum wendet, das Eintritt nimmt. Dafür sind unsere Profile viel zu verschieden. Es ist eine Art, das Interesse zu wecken und Kultur zu unterstützen. Das ist notwendig.“