Einwanderervereine weisen Mitschuld zurück

Die Integration von Einwanderern ist zur Zeit eines der heißesten Themen in Schweden. Vor gut zwei Wochen wurde eine junge Kurdin von ihrem Vater erschossen, weil sie auf schwedische Weise leben wollte. Ministerpräsident Göran Persson hat den Einwandererorganisationen einen Teil der Verantwortung für die Integration in die schwedische Gesellschaft gegeben. Mehrere dieser Organisationen weisen diese Verantwortung jedoch zurück.

18 Vertreter von eingetragenen Vereinen für Einwanderer antworten in einem offenen Brief an den Regierungschef in der Abendzeitung Aftonbladet.Sie bezeichnen die Debatte, die in der Öffentlichkeit über den tragischen Todesfall geführt wird, als wahnwitzig. Als das zuständige Ministerium keine Antwort auf die Frage geben konnte, warum die Integration gewisser Einwanderergruppen fehlgeschlagen sei, sei der Regierungschef mit seiner teilweisen Schuldzuweisung an die Einwandererverbände auf den Plan getreten.

Ganz offenbar fühlen sich die Organisationen in die Rolle des Sündenbocks gedrängt. Sie verweisen darauf, dass die staatlichen Zuschüsse für Einwandererverbände in diesem Jahr lediglich rund acht Euro pro Mitglied betragen und davon die öffentlichen Forderungen für Jahreshauptversamlungen, Buchführung usw. bestritten werden müssen. Die Organisationen weisen darauf hin, dass ihr Engagement in Schweden nicht gewürdigt werde und sie seit den 80er Jahren öffentlich und politisch immer mehr marginalisiert würden.

Die 16 unterzeichnenden Vereine erklären sich indess bereit, dafür zu arbeiten, dass ihre Mitglieder sich in Schweden zu Hause fühlen, dass Einwanderer aus ihrer Passivität gegenüber der schwedischen Gesellschaft herausgeholt werden, und dass die Kontakte zwischen Einwandern und der Gesellschaft besser werden. Aber den Mangel an Integration müsse die Regierung, müsse Ministerpräsident Göran Persson, schon selbst bekämpfen.

Sie fordern die Regierung unter anderem auf, die Integrationspolitik baldmöglichst gründlich unter die Lupe zu nehmen, damit auch Menschen, die Minoritäten angehören, die selben Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung haben wie die Majorität. Die Regierung solle den Begriff ”Einwanderer” abschaffen, weil er Mehrheit stigmatisiert. Die Organisationen fordern auch mehr Mittel für eine vielsprachige und multikulturelle Schule, damit Kinder, Eltern und Lehrer mehr Verständnis für Gleichberechtigung entwickeln. Auch die Rolle des öffentlich rechtlichen Schwedischen Fernsehens müsse überarbeitet werden.

Entweder, so beenden die Verfasser ihren offenen Brief, entweder führe der Regierungschef einen Dialog mit den demokratischen Einwandererorganisationen, oder er mache mit seiner jetzigen Politik weiter, die Nicht-Schweden ausschließe.

Sybille Neveling

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