Olympiaflair für Daheimgebliebene

Für die allermeisten Schweden spielen sich die Olympischen Spiele natürlich im privaten Puschenkino ab. In Stockholms Innenstadt gibt es allerdings eine Möglichkeit, gemeinsam mit anderen das Geschehen in Salt Lake City zu verfolgen und gleichzeitig selber tätig zu werden. An der Eislaufbahn auf dem Kungsträdsgården will eine große Tageszeitung seit vergangenem Wochenende mit Grossbildleinwand und einem Zelt Olympiaflair für die Dabeigebliebenen schaffen.

Auf der Leinwand findet das live aus Salt Lake City übertragene Olympiageschehen recht verschwommen statt, denn die Leinwand besteht aus Eisblöcken. Zumindest an diesem abend gibt es aber da draußen ohnehin keine Zuschauer, die sich an der Bildqualität stören könnten. Es regnet in Strömen. Als würde nun auch Schwedens Himmel weinen, nachdem Goldhoffnung Per Elofsson am Sonnabend seine dreissig Kilometer Langlauf schon nach fünfzehn Kilometern beendet hatte. Also rein in das Zelt, wo Verpflegungschef Bengt Olsson hinter dem Tresen steht und aufpaßt, das alles läuft. Er ist erst am Tag zuvor aus London zurückgekommen.

”Ich hab davon nicht gewusst, dann les´ ich davon in den Zeitungen. Elofsson ist so stark. Er wird sich schnell erholen. Das werden wir bei den 15 Kilometern sehen. Ich glaube, er wird über die klassische Distanz gewinnen. Ich hab auch Fredrik Nyberg gesehen, Das war wohl ne große Überraschung. Seine starke Disziplin ist ja der Super-G und nicht die Abfahrt”, sagt Olsson.

An diesem Montagabend geht es bei Olssons Gästen allerdings um Damenbiathlon. Die Leute fiebern ordentlich mit, denn hier läuft und schießt Magdalena Forsberg, Schwedens Medaillenkandidatin Nummer zwei. Ihr erster Schuss, ein glatter Treffer, Aah, ihr zweiter Schuss ebenso gut, wieder geht ein Aah durch die Reihen, aber ihr dritter Schuss, knapp daneben, er erntet nur ein Oouh bei Forsbergs Landsleuten, die da in feuchten Jacken vor den großen Fernsehern stehen. Andere nehmen es gelassener und stehen im hinteren Teil des Zeltes auf einer künstlichen Eisbahn. Da fegen sie das Eis und lassen Steine mit Griff dran über die Fläche gleiten. Sie freuen sich manchmal, wenn die Steine zusammenstoßen. Die Rede ist vom Curling. Einer olympischen Disziplin, die in Schweden sehr populär ist.

”Sowohl Herren als auch Damen waren in letzter Zeit ja sehr erfolgreich. Bei der EMU haben ja beide den Titel geholt”, so Lars Carlsson, einer der Gäste. Er verschweigt, dass die schwedische Curling-Herrenmannschaft kurz vorher 5 zu 10 gegen die USA verloren hat. Aber man muss ja auch nicht eine Sportart nur deswegen gut finden, weil die eigene Nationalmannschaft in ihr so erfolgreich ist. Bengt Olsson kann dem Curling an sich etwas abgewinnen: ”Wenn man Curling erstmal lange genug angesehen hat, ist das ein ganz faszinierender Sport. Der Skipper hat hier das Sagen, und dirigiert die Steine ins Ziel - ein sehr taktisches Spiel, bei dem Schweden sehr gut ist. Ein Sport, der ursprünglich aus Schottland kommt. Die Chancen, das Schweden hier zu Gold kommt, sind sehr gross.

Gold, Silber, Bronze. Die Menschen im Olympiazelt wollen Medaillen sehen. Wie gesagt, auf den Bildschirmen kämpft gerade Magdalena Forsberg um Edelmetall. Und wie sich schließlich zeigt, erfolgreich! Wie alle anderen hier starrt Bengt Olsson jetzt gebannt auf den Bildschirm: ”Dritte - Sie ist Dritte, das heißt wir kriegen auf jeden Fall eine Medaille heute - Aber okay, wir haben eine Medaille, - Es ist geplant, dass man hier auch Medaillenträger treffen kann, neben dem Eisfernseher. Hoffentlich wird das Wetter besser.”

So gut wie in Salt Lake City, könnte er ergänzen. Da liegt nun Magdalena Forsberg bei strahlendem Sonnenschein auf dem Schnee und weint vor Glück. Andrea Henkel weint auch. Die Deutsche ist 39 Sekunden eher als Magdalena im Ziel, gewinnt Gold und stammelt in das Mikro des schwedischen Fernsehreporters, nun sei ihr größter Traum wahr geworden. Im schwach beleuchteten Olympiazelt auf dem Kungsträdsgården hegen die gerührten schwedischen Zuschauer indessen eigene Träume.

”Heute haben mit Bronze angefangen, als nächstes kommt Silber und dann holen wir Gold mit der Eishockeymannschaft am letzten Tag”, sagt Henrik Alming, der sich nach dem Jubel wieder dem Curling zuwendet. Ein paar Runden noch, sagt er, dann gehe er nach Hause, es sei ja schon spät genug. Am nächsten morgen wird er in der Zeitung lesen, dass, während hierzulande alles schlief, in Salt Lake City die schwedischen Curlingdamen gegen Kanada verloren haben. Auf dem Kungsträdsgården, wo um 11 Uhr vormittags das Olympiazelt wieder öffnet, wird dafür der Regen etwas weniger geworden sein.

Jan Graf

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