ABB-Konzernleitung fordert Bonusgelder zurück

ABB, der schwedisch-schweizerische Industriekonzern schockte gestern die Öffentlichkeit gleich zweimal. Zunächst wurde bekannt, dass der Konzern tief in den roten Zahlen steckt. Dann verkündete der Vorstand des Unternehmens, man wolle einen Teil des Bonus an zwei frühere Konzernchefs zurückhaben. Eine Forderung, für die es in der schwedischen Privatwirtschaft bislang kein Beispiel gibt.

Es sieht nicht gut aus bei ABB. Rund 800 Millionen Euro Reinverluste weist das ablaufende Geschäftsjahr aus. In einem gigantischen Sparprogramm will der Technologieriese nun 12 000 Leute entlassen.
Dies sind die krassen Fakten auf der einen Seite. Nun die andere Seite. ABB hat seinen beiden früheren Konzernchefs Percy Barnevik und Göran Lindahl rund 150 Millionen Euro Gehaltsbonus und Pensionsgelder genehmigt. Barnevik allein kassierte rund 97 Millionen Euro bei seinem Rücktritt 1996, eine Summe, die dem Jahreslohn von 600 Metallarbeitern entspricht. Sogar Branchenkennern verschlägt es die Sprache. Einen Bonus in dieser Höhe habe es bei einem börsennotierten Unternehmen noch nicht gegeben, erklärt Lars Erik Forsgård, Geschäftsführer des Verbands schwedischer Aktionäre.

Auch bei den Gewerkschaften ist die Entrüstung groß:
”Unfassbar, dass ein einzelner Mensch so viel wert sein soll. Man muss bedenken, dass die Betreffenden ja noch ihr normales Gehalt bezogen haben. Unglaublich, wie man einen solchen Vertrag gutheißen kann” wundert sich Stig Stolpe vom Verband der Metallarbeiter. Der Gewerkschaftsmann beklagt auch, dass der Verband keinerlei Einsicht in die Geschäfte der Vorstandsmitglieder gehabt habe. Die säßen in Zürich und verhandelten solche Dinge geheim.

Nun ist die Konzernleitung fest entschlossen einen Teil der Bonusgelder zurückzufordern. Der Aufsichtsrat hat in später Stunde entdeckt, dass das Geld unrechtmäßig und über die gängigen Verpflichtungen hinaus gezahlt worden ist. Was immer das bedeuten mag, werden nun die Juristen klären. In jedem Fall müssen sich die Aufsichtsratsmitglieder selbst die Frage stellen, wer und ob überhaupt jemand die Verträge unterzeichnet hat. Gewerkschafter fürchten Schlimmes, nämlich dass die beiden Chefs mehr oder weniger im Alleingang ihre Verträge abgenickt haben.

Weil Pensionsbezüge an Ex-Konzernchefs bisher unantastbar waren, strebt der Aufsichtsrat eine Einigung im Einvernehmen mit den Betroffenen an. Die Frage ist allerdings, ob eine Rückzahlung von Bonusgeldern die Talfahrt des Unternehmens aufhalten kann. Das Wirtschaftsblatt Finanstidningen jedenfalls sieht schwarz und vergleicht ABB mit dem Fall des amerikanischen Energiekonzerns Enron.

Gundula Adolfsson

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