Barnevik zieht sich zurück

Zwei jahrzehntelang hatte er das Schicksal der schwedischen Wirtschaft in der Hand. Mit hohen Posten im Aufsichtsrat von ABB, Sandvik und Investor hielt er eine einzigartige Machtposition in Schweden. Nun tritt er ab - Percy Barnevik. Innerhalb weniger Monate hat er sich aus den drei großen Unternehmen zurückgezogen. Am 24.1. gab er seinen Rücktritt als Aufsichtsratsvorsitzender von Investor bekannt.

Die Liste seiner Leistungen ist imposant. 19 Jahre als Vorstandsvorsitzender des Maschinenbaukonzerns Sandvik, 17 Jahre im Vorstand des Automatisierungsausrüsters ABB und 16 Jahre im Vorstand der Investmentgesellschaft Investor. ”Wenn man früh anfängt, so kommentiert der 61-Jährige seinen vorzeitigen Eintritt ins Rentnerdasein, sollte man auch früher gehen”.

Zu seinen Glanzleistungen zählt er selbst die Fusion Astra Seneca, die dem Unternehmen eine Verdopplung des Exports brachte. Barnevik bezeichnet den Zusammenschluss der beiden Arzneimittelhersteller aus Schweden und den USA als eine geglückte Fusion über die Landesgrenzen hinaus. Umgekehrt widersetzte er sich im Frühjahr 2001 als die Investmentgesellschaft BZ Group einen größeren Aktienposten bei Investor erwarb. In einem Artikel von Financial Times sprach sich Barnevik vehement gegen die beabsichtigte Aufteilung von Investor aus.

Weniger erfolgreich gestalteten sich Barneviks letzte Jahre bei ABB. Bei seinem Rücktritt als Aufsichtsratsvorsitzender von ABB im November erklärte Barnevik, er ziehe die Konsequenzen aus den wirtschaftlichen Problemen des Unternehmens. Er war stark genug, seinen Rücktritt nicht noch schönzureden. Auch bei Investor liefen in den letzten Jahren die Geschäfte nicht glänzend, eine Tatsache, die Rücktritt beeinflusst haben könnten. Der Kommentar von Percy Barnevik dazu: ”Man kann nicht die Verantwortung dafür tragen, dass es in allen Konzernen immer und zu jeder Zeit glänzend läuft.”

Beachtung fand Percy Barnevik zu Beginn der 90er Jahre durch sein Engagement für die Staaten des ehemaligen Ostblock. Er propagierte die schnelle wirtschaftliche Einbeziehung, vor allem des Baltikums und Russlands. Die Osterweiterung hatte einen Fürsprecher in ihm.

Die Medien umwarben Barnevik wie keinen anderen, seine Autorität schien ihm in die Wiege gelegt. Intelligent, integer, zurückhaltend, so das wiederkehrende Urteil über den Wirtschaftsboss, der sicher nicht gegen die Beinamen hatte, die
Journalisten für ihn erfanden: geheimnisvoll wie Greta Garbo, konnte es heißen, oder Supermann und Workaholic.

Ganz fertig gearbeitet hat er allerdings nicht. Noch sitzt er in der Konzernleitung jenes Unternehmens, auf das er besonders stolz ist, Astra Seneca, zwei kleinere Vorstandsposten behält er auch noch. Ein passendes Arbeitspensum für den eingefleischten Workaholic und angehenden Rentner.

Gundula Adolfsson

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