Nach dem Rauswurf: Schweden diskutiert Sanktionen gegen Simbabwe

Die Sanktionen der Europäischen Union gegen die simbabwische Regierung Robert Mugabes dominierten auch heute die Schlagzeilen hier in Schweden. Viele Beobachter fragen sich, wie effektiv die Strafmaßnahmen sind. Andere verweisen auf das jahrzehntelange Engagement Schwedens für den Unabhängigkeitskampf des Landes. Damals war Mugabe eine afrikanische Lichtgestalt, nicht zu vergleichen mit dem starrsinnigen Diktator von heute. Alexander Budde berichtet:

Einige Kenner der afrikanischen Szene hier in Schweden meinen, die Sanktionen gegen die Regierung Mugabe kommen zu spät. Reiseverbot, Waffenembargo und Kontensperrung hätten schon kommen müssen, als das Regime anfing, die parlamentarische Opposition zu zerschlagen.

Andere meinen, der jetzige Schritt der Europäischen Union sei nur eine Geste, die im schlimmsten Fall sogar die Machtbasis Mugabes stärken könnte. Eine Einschätzung, die auch Schwedens UN-Botschafter Pierre Schori teilt, der nach seiner Ausweisung aus Simbabwe gestern den EU-Außenministern Bericht erstatte.

”Ich habe mit Bedauern festgestellt, dass es weder den Willen noch die Voraussetzungen für eine effiziente Beobachtermission für die Wahlen gibt”, so Schori in Brüssel. ”Es gibt heute mehr Gewalt, auch in den Städten und es sind Regierungsorganisationen, die offen und mit immer größerer Brutalität in die Wahlkampagne eingreifen”.

Der Schwede hat eine doppelte Enttäuschung hinnehmen müssen. Er ist nicht nur aus dem Land gezwungen, sondern auch von Mugabe selbst abgewiesen worden, einem früheren Freund aus den revolutionären Tagen des jungen Afrika, dem Schori und viele andere Schweden überlebenswichtige Hilfe im Unabhängigkeitskampf geleistet haben.

Der alte Mugabe will sich an diese Zeiten nicht mehr erinnern. Er verflucht seinen einstigen Gönner. ”Die Sklavenhalter sind noch im Land. Mit oder ohne Visum. Das werden wir niemals hinnehmen”, sagte Mugabe auf einer öffentlichen Wahlveranstaltung seiner Regierungspartei Zanu PF.

Der schwedische Schriftsteller und Afrika-Experte Per Wästberg kennt Mugabe noch als politischen Gefangenen des weißen Rhodesien. Und auch wenn er meint, dass die Sanktionen zu spät kommen und Mugabe den größten Teil seiner Guthaben wohl längst in Sicherheit gebracht hat, so hält er sie doch für unverzichtbar. Die schwedischen Freunde seien für Mugabe einst ein Fenster zur Welt gewesen, erinnert sich Wästberg. Denn Mugabe sei ein äußerst introvertierter und strenger Mensch, der den Kontakt zu seiner Umwelt schon früh verloren habe.

”Er war einmal ein vielversprechender afrikanischer Staatsmann”, so Wästberg. ”Als Mandela aus dem Gefängnis kam, hat der ihn in den Schatten gestellt. Was falsch gelaufen ist? Nun, er konnte die Vielfalt nicht ertragen und zeigte plötzlich ein anderes Gesicht, das wir auch schon von ihm kannten: ein alter, starrer Oberlehrer, der seine Landsleute wie Kleinkinder behandelt”.

Robert Mugabe kämpft um sein politisches Überleben, um jeden Preis. Der schwedische Schriftsteller Wästberg ist dennoch optimistisch, dass Simbabwe eine friedliche Zukunft hat. Selbst in der Regierungspartei Zanu PF gebe es einen wachsenden Kreis von jungen Politikern, die ihren alten Präsident lieber heute als morgen an die Seite schieben und eine wirkliche Demokratisierung in Angriff nehmen wollen.

Alexander Budde

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade ljud i menyn under Min lista