Kritik an hohen Managerrenten

Am Lebensabend gut versorgt zu sein ist im Wohlfahrtsstaat Schweden eine Selbstverständlichkeit. Die Selbstverständlichkeit, mit der sich mehrere schwedische Industriebosse gigantische Altersversorgungen von den Unternehmen finanzieren lassen, wird hierzulande allerdings mit Empörung und harscher Kritik quittiert. Aktuell ist der Fall Barnevik. Der Ex-Chef des ABB-Konzerns, Percy Barnevik, ist vom Vorzeige-Manager zum Abzocker der Nation degradiert.

Ex-ABB-Chef Barnevik hatte in den achtziger Jahren enorme Pensionsbezüge für seine nächsten Mitarbeiter und vor allem für sich selbst ausgehandelt. Barneviks Rente von rund 92 Millionen Euro ruft deutlich Irritation hervor. Die Kritik an den überaus hohen Bezügen kommt nicht nur von Gewerkschaften und dem linken Parteispektrum.

Die Unternehmerverbände registrieren den massiven Unmut ihrer großenteils mittelständischen Mitglieder. Der Präsident von Svenskt Näringsliv, Sören Gyll, fordert nun eine Obergrenze für die Rentenbezüge von Ex-Direktoren und Vorstandsmitgliedern. Darüber wo diese Grenze zu ziehen ist, macht er allerdings keine Vorschläge. Gyll selbst war übrigens früher Chef des Automobilherstellers Volvo und hat aus dieser Zeit eine Rente von insgesamt umgerechnet rund 6 Millionen Euro.

Der Wallenberg-Konzern, der große Anteile an ABB besitzt, legt jetzt die Ohren an. Jacob Wallenberg hält sich weitgehend bedeckt: ”Meine Familie und ich hätten als Besitzer die Direktoren, die sich solchen Exzessen hingegeben haben, besser kontrollieren müssen”, gesteht Jacob Wallenberg ein. Die Verantwortung für die Höhe der Renten mehrerer ABB-Bosse aber weist er Percy Barnevik zu.

Auch die bürgerlichen Oppositionsparteien sind durch die Abfindungsfrage in Bedrängnis gekommen. Sie haben nun Schwierigkeiten, im Wahlkampf für eine ihrer wichtigsten Forderungen, nämlich Senkungen der Unternehmenssteuer zu argumentieren. Wenn die Unternehmen sich derartig teure Absprachen mit ihren Managern leisten können, kann es ihnen ja nicht so schlecht gehen, steht als Antwort zu befürchten.

Die Stimmung ist eindeutig: eine Lösung muss her. Das versteht nicht zuletzt auch der medienerfahrene Barnevik selbst. Er bereue, die Bedingungen für die Pensionsbezüge nicht offen dargelegt zu haben, sagte er. ABB habe sich an die Schweizer Gepflogenheiten gehalten, die Pensionen für das Management seien nicht offengelegt worden. Er stehe nun mit ABB in Verhandlung über die Höhe seiner Rente, lässt Barnevik wissen. Nähere Auskünfte will zur Zeit nicht geben.

Sybille Neveling

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