Dopingskandal überschattet magere Bilanz

Die Olympischen Winterspiele gingen mit einem Skandal zu Ende. Drei Langläufer wurden des Dopings überführt. Der prominenteste unter ihnen der Deutschspanier Johann Mühlegg. Die Schweden treffen diese Enthüllungen gleich doppelt schwer. Denn zum einen ist eine nordischen Paradedisziplin in Verruf geraten. Zum anderen ist das Abschneiden der Schweden in Salt Lake City so mager ausgefallen, dass man sich jetzt als Opfer sieht.

Spekuliert wurde viel über die unheimlichen Erfolge des Johann Mühlegg. Als aus den Gerüchten, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zugeht, Gewissheit wurde, traf dies besonders die Schweden wie ein Schock. Denn eben jener Mühlegg war es, der zum Olympiaauftakt die eigne Medaillenhoffnung Per Elofsson entnervt aufgeben ließ.

Bei den abschließenden 50 km wurde Mühlegg schließlich des Dopings überführt. Mühlegg wurde dieser Sieg aberkannt und von den Spielen ausgeschlossen. Die beiden Goldmedaillen vom Beginn der Spiele kann der Deutschspanier jedoch behalten, denn hier hatten die Dopingproben keinen positiven Ausschlag. Das schwedische Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees, Gunilla Lindberg ist über die Entscheidung enttäuscht: ”Leider ist es so, dass vom juristischen her kann niemand bestraft werden, der einen negativen Test abgegeben hat. Das spielt keine Rolle, was man selbst findet. Ich selbst hätte gerne alle Medaillen aberkannt. Aber dafür gibt es keine juristische Grundlage.”

In Schweden wird diese Tatsache jedoch mit Zähneknirschen zur Kenntnis genommen. Was viel mit der eigenen Misere zusammenhängt, denn ganz oben auf dem Siegertreppchen war auch diesmal bei den Schweden Fehlanzeige. Mit gerade mal zwei Silbernen und vier Bronzenen Medaillen im Gepäck wurde Schweden erneut vor Augen geführt, dass das skandinavische Land - ganz im Gegensatz zu seinem Nachbarn Norwegen - eben keine Wintersportnation ist.

Umso schlimmer, dass ausgerechnet die einstige schwedische Paradedisziplin Langlauf in Verruf geraten ist. Gerade im schwedischen Lager glaubt man immer gut unterrichtet darüber zu sein, wer mit unerlaubten Mitteln nachhilft. So war es auch schon bei den Weltmeisterschaften des vergangenen Jahres in Lahti gewesen, wo nahezu die gesamte finnische Mannschaft des Dopings überführt worden ist. Die schwedische Mannschaft spricht mittlerweile unverholen davon, dass auch noch weiter Sportler bei der Olympiade gedopt gewesen sein sollen - ohne jedoch konkrete Beweise vorzulegen.

Die Dopingfahnder werten den Eklat von Salt Lake City jedoch als großen Erfolg. Denn schließlich sei es gelungen, den Sündern das Präparat Darbepoetin alfa auch NESP genannt nachzuweisen. So sieht das der Schwede Arne Ljungquist, der Leiter der Medizinischen Komitees im IOK, denn mit Doping werde man es immer wieder zu tun haben: ”Es wird immer Sportler geben, die bereit sind, so ein Risiko einzugehen. Diese Tragödie ist jedoch für uns ein großer Durchbruch, weil wir bewiesen haben, dass wir allen Schlichen auf die Spur kommen. Das Mittel, mit dem sie aufgeflogen sind, gibt es erst seit Oktober des letzten Jahres auf dem Markt. Die haben wohl gedacht, dass wir diese Substanz nicht nachweisen können. Aber da haben sie sich eben getäuscht.”

Den Schweden bleibt derweil der schwache Trost, dass ihre Dopingsünderin, die ehemalige Leichtathletin und Bobfahrerin Ludmila Engquist bereits im Vorfeld der Spiele überführt wurde.

Dieter Weiand

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