Grüne murren über den einsamen Steuermann

Der Starke ist am mächtigsten allein. Diese Weisheit des alten Schiller haben sich die schwedischen Grünen auf die Fahnen geschrieben. Die Parteispitze hat entschieden, mit dem kaum bekannten Kommunalpolitiker Claes Roxbergh erstmals mit nur einem Spitzenkandidaten in den Wahlkampf zu ziehen. Doch so richtig glücklich ist die Partei mit ihrem neuen Star nicht.

Viele Grüne zeigten sich heute enttäuscht darüber, dass Åsa Domeij den Posten der Parteichefin dankend abgelehnt hat. Viele Provinzfürsten in der Umweltpartei fürchten, dass der zwar kollegiale, aber nicht besonders charismatische Claes Roxbergh im bevorstehenden Wahlkampf überfordert ist. Åsa Domeij, so sagen seine Kritiker wäre eher ein Garant für das politische Überleben der Partei gewesen, die gefährlich an die 4-Prozent-Hürde abgerutscht ist. Åsa Domeij ist so etwas wie die schwedische Petra Kelli: Auf die hohe Popularität ihres Gründungsmitglieds wollten die Grünen setzen. Doch die Umworbene lehnte ab: Auf die Belastungen eines Personenwahlkampfs wollte sie sich nicht einlassen.

Nun ist es also Claes Roxbergh geworden: Kein Umfrageliebling, kein medialer Tausendsassa und eher ein Arbeitsgaul als ein Zugpferd, wie ihn Gegner und Freunde übereinstimmend beschreiben. Die Partei müsse jetzt alles daran setzen, dass Profil des Kandidaten zu schärfen, meint Jan Berge, Grünen-Vorsitzender im südschwedischen Halland. Oder wie er es ausdrückt: Man kann nicht zwei Kapitäne auf einem Boot haben: ”Ich hoffe wirklich, dass funktioniert”, sagt er: ”Dass Claes Roxbergh als Spitzenkandidat die Zügel übernimmt und das Åsa Domeij, die keine Führungsrolle wollte, dennoch eine gute Vize-Chefin wird.”

In der einst so auf Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern besonnenen Protestpartei ist die Abschaffung der Doppelspitze nicht unumstritten. Aus vielen Ortsverbänden wurde auch heute gegen die Inthronisierung von Roxbergh geschossen. Letztlich sind sich die meisten Grünen aber einig, dass nur ein einzelner Kandidat den sprachgewandten Selbstdarstellern vom Schlage Göran Perssons, Gudrun Schymans oder Alf Svenssons Paroli bieten kann.

Als Vize-Vorsitzende im Hintergrund könnte Åsa Domeijs Stern doch noch aufgehen, meint hingegen Leif Levin. Er ist Politikprofessor an der Universität in Uppsala. ”Ihr Motiv ist, dass sie nicht im Scheinwerferlicht der Massenmedien stehen will und das wirkt für mich und viele andere auf den ersten Blick sympathisch”, so der Experte für Parteistrategien. ”Aber sie ist ja auch eine große Hoffnung. Und ich glaube nicht, dass sie die Öffentlichkeit vermeiden kann, in der ein Parteichef steht, der ja auch die Politik ein Stück greifbar machen soll”.

Die Grünen wollten einen Wahlkampf führen, der inhaltlich zuspitzt und die Alternativen klar macht, hat Claes Roxbergh gestern angekündigt. Und das könne nur ein Ende der parlamentarischen Duldung der Sozialdemokraten bedeuten. Ein Platz am Kabinettstisch oder Opposition: Die Wähler sollen diesmal wissen, wofür sie eigentlich ihr Kreuz machen.

Alexander Budde

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade ljud i menyn under Min lista