Strengere Forschungsgesetze

Medizinische Forschung made in Sweden macht in jüngster Zeit von sich reden. So gehört das Land zu den Vorreitern im Bereich der weltweit umstrittenen embryonalen Stammzellenforschung. Damit die Ethik beim Vorpreschen der Wissenschaft nicht auf der Strecke bleibt, will die Regierung nun neue, strenge Regeln einführen.

Forscher, die an Menschen neue Medikamente testen oder anderweitig Forschung am Menschen betreiben, müssen dafür die Zustimmung des Staates einholen. Dies sieht der neue Gesetzentwurf der Regierung vor. Wer dagegen verstößt, dem soll künftig Gefängnis drohen. Diese Strenge sei nötig, meint Bildungsminister Thomas Östros, um in Zeiten des Klonens, der Stammzellenforschung und anderer heisser Themen das Vertrauen der Menschen in die Wissenschaft zu bewahren.

“Unser Ausgangspunkt ist, dass wir in Schweden im allgemeinen ein sehr grosses Vertrauen in die Fosrchung haben. Wenn dies so bleiben soll, jetzt, wo wir vor komplizierten ethischen Fragen stehen, dann müssen wir das Inststrument der ethischen Prüfung stärken.”

Sechs neue Körperschaften, so genannte Ethik-Ausschüsse, sollen künftig die ethische Bedenklichkeit oder Unbedenklichkeit von Versuchen bereits im Vorfeld beurteilen. Solche Überprüfungen gibt es schon heute, doch bislang ist das Verfahren freiwillig. Nun soll es obligatorisch gemacht und sein Umgehen mit bis zu halbjährigen Freiheitsstrafen geahndet werden. Pharma-Firmen müssen die Ethikprüfungen selbst bezahlen, den Universitäten wird die Bezahlung zumindest im ersten Jahr erlassen. Dies alles klingt plausibel; erfahrene Forscher sehen für die praktische Anwendung des neuen Sytems allerdings ein Problem. Professor Paul Jändal vom Karolinska Krankenhaus in Stockholm begrüsst zwar die neuen Ideen, hält die Rekrutierung von Forschern für die neuen Körperschaften aber für schwierig:

“Ich selbst nehme an der Arbeit von Ethikkommissionen in Stockholm seit mehr als 20 Jahren teil. Anfangs waren die verschiedenen medizinischen Koryphäen an der Mitarbeit sehr interessiert, aber das hat sich im Lauf der Jahre geändert.”

Wie überall, so Jämdal, sei auch im Bereich der Fosrchung der Arbeitsstress gewachsen; stundenlanges Sitzen in einer Ethik-Kommission knappse wertvolle Zeit im Labor ab und bringe die Karriere kaum voran. Dies räumt auch Bildungsminister Östros ein. Gleichwohl hofft der Minister auf die gesellschaftliche Verantwortung der Wissenschaftler:

“Natürlich ist es manchmal schwierig, Forscher für solche freiwilligen Aufträge zu gewinnen. Doch ich hoffe, dass die Wissenschaftler die Wichtigkeit dieser Aufträge für die Zukunft und also das grosse Vertrauen begreifen, das ihnen damit übertragen wird.”

Anne Rentzsch

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