Krankes Gesundheitswesen

Das schwedische Gesundheitswesen steckt in der Krise. Wer einen Arzt braucht, muss sich oft auf lange Wartezeiten einstellen. Besonders akut ist der Zustand derzeit am Östra sjukhuset in Göteborg. Bis zu 24 Stunden müssen Erste-Hilfe-Patienten auf eine Behandlung warten. Ein Zustand, den Pflegekräfte und Ärzteschaft auf die Barrikaden gebracht hat.

Am Universitätskrankenhaus Östra Sjukhuset haben 97 Ärzte einen Aufruf unterschrieben. Sie sorgen sich um die Sicherheit der Patienten. Denn die Qualität der Krankenversorgung hat sich dramatisch verschlechtert, in einzelnen Fällen ist sie mittlerweile lebensbedrohlich. Zu viele Kranke müssen sich zu wenige Pflegekräfte und Ärzte teilen. Patienten werden in unzureichend ausgerüsteten Zimmern platziert oder gar in der falschen Abteilung untergebracht. Oft müssen sie nach Hause geschickt werden, weil Betten fehlen, berichtet die Vorsitzende des Ärzteverbandes in Göteborg, Kristina Berntson: "Diese Entwicklung gibt es schon seit ein paar Jahren, dass unser Arbeitsumfeld im Fokus steht. Aber jetzt ist es so schlimm geworden, dass die Sicherheit der Patienten ernsthaft gefährdet ist. Die Situation hier ist auf die schiefe Bahn geraten. Bisher haben wir noch keine absolute Grenze passiert, aber wir sind auf dem Weg dorthin. Und die Frage, die sich uns hier stellt ist: Wie lange soll das noch so weitergehen, bis etwas getan wird."

Eva Eriksson sieht das anders. Die Politikerin von der Volkspartei ist in Westschweden für die politische Linie im Bereich des Gesundheitswesens verantwortlich. Sie steht auf dem Standpunkt, dass alle Verantwortung haben, um dem Misstand Abhilfe zu schaffen. Und passiert sei schon einiges: "Das Krankenhaus hat bereits Massnahmen ergriffen. Und wir haben dafür gesorgt, dass die Unterfinanzierung des vergangenen Jahres ausgeglichen wird. Dann gab es das Problem, dass Pflegeplätze fehlen. Das hat die Krankenhausleitung mit uns diskutiert und will nun neue Plätze schaffen, sowohl jetzt als auch langfristig, um die Anzahl der Betten zu steigern."

Das kann die 97 Ärzte kaum beruhigen, die mit einem offenen Brief die Situation kritisiert haben. Sie haben jetzt die Sozialverwaltung aufgefordert, die Verhältnisse an ihrem Krankenhaus genauer zu untersuchen.

Agnes Bührig

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