Gewerkschaften kritisieren mangelnden Integritätsschutz

Am Telefon, im Internet, bei der e-Post. In welchem Umfang darf der Arbeitgeber mithören, mitlesen und seine Angestellten kontrollieren? In welchem Umfang sind Drogentests okay? Nach einer staatlich in Auftrag gegebenen Untersuchung soll jetzt eine Gesetzesänderung die Frage der Integrität im Arbeitsleben klären. Das Ergebnis der Untersuchung wurde heute nachmittag Vizewirtschaftsministerin Mona Sahlin vorgelegt.

In den meisten Fällen ist es eine Grauzone. Sowohl für den Arbeitnehmer, als auch den Arbeitgeber. Der Angestellte benutzt Telefon, Internet und e-Post im Dienst, aber auch privat. Einige Unternehmen haben zur Benutzung ein Regelwerk herausgegeben, andere nicht. Im besten Fall entscheidet der gesunde Menschenverstand des Mitarbeiters.

Ebensowenig reguliert ist die Benutzung der telefonischen und elektronischen Medien auf der anderen Seite, beim Arbeitgeber. Die meisten Unternehmen machen ihren Angestellten gegenüber nicht deutlich, wann und wo sie kontrollierend einschreiten.

Umstritten sind auch die immer häufiger werdenden Drogentests, die vorrangig von den Unternehmen der Transportbranche vorgenommen werden - ein freies Feld für die Unternehmensleitungen, die schrittweise die Quote der zu Testenden erhöht haben.

Eine Gesetzesänderung war also schon lange fällig. Allerdings hatten die meisten mehr erwartet, als nun dabei herauskam. Besonders enttäuscht sind die Gewerkschaften, die sich eine Verstärkung der persönlichen Integrität der Arbeiter und Angestellten erwartet hatten. Ein besserer Personenschutz jedoch ist ausgeblieben, stellt Thomas Fridén, Vertrauensmann beim Arbeitergewerkschaftsbund LO, fest:

"Wir hätten gern gesehen, dass mit dieser Untersuchung die Integrität der Arbeiter und Angestellten besser geschützt wird, dass z. B. die Quoten bei Drogentests begrenzt werden. In anderen Ländern, Finnland beispielsweise, ist das der Fall. Hier in Schweden ist das allerdings nicht vorgesehen. Im Gegenteil bestätigt diese Untersuchung die gegenwärtige Praxis, die sich bei den Gerichten des Landes durchgesetzt hat."

Kollegen von der Angestelltengewerkschaft TCO und dem Akademikerverband Saco schließen sich der Kritik von LO an und bemängeln die Willkür der Arbeitnehmer, wenn es um die Integrität am Arbeitsplatz geht. Die Angestellten müssen das recht haben, so die Gewerkschaften, den Inhalt der Email an ihren Arzt oder Apotheker für sich zu behalten.


Gundula Adolfsson

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