Erstaunen über rasche Kündigungsverhandlungen bei Conti-Gislaved

Das Continental-Reifenwerk in Gislaved wird geschlossen. Die endgültige Entscheidung ist gefallen, die Mitarbeiter haben ihre Kündigungen in Empfang genommen. Besonders die eilige Durchführung der Verhandlungen über betriebsbedingte Kündigungen durch die deutsche Konzernleitung hat in Schweden Reaktionen hervorgerufen.

Stillgelegt wird die Reifenfabrik im småländischen Gislaved am siebten Juli. Das schnelle Ende der Verhandlungen über die Schließung überrascht die schwedische Arbeitnehmerseite sichtlich: "Das Tempo war außerordentlich hoch. Wir haben nicht die Möglichkeit gehabt, nachzudenken und dadurch werden die Verhandlungen komplizierter", sagt Harriet Johnsdotter, aus der Zentrale des Verbands der Industrieangestellten. Sie bedauert, dass kaum Zeit geblieben sei, die Verhandlungsvorschläge mit den Betroffenen zu diskutieren.

Conti-Mitarbeiter, Gewerkschaftsvertreter, die Kommune Gislaved und das Wirtschaftsministerium hatten gehofft, dass zumindest ein Teil der rund 700 Arbeitsplätze noch gerettet werden könnte. Es hatten sich auch Interessenten gefunden, aber: Bei einem der potentiellen schwedischen Käufer wollte Continental keine Einkaufsgarantie für die spätere Produktion übernehmen. Weitere Verhandlungen mit dem Unternehmen aus Trelleborg waren für die nächste Woche angesetzt. Die Conti-Leitung wartete den Ausgang der Gespräche gar nicht erst ab, sondern beschloss die Stillegung. Schwedens Wirtschaftsminister Björn Rosengren, der sich in der Sache Conti-Gislaved stark engagiert hatte, fand das vorschnell: Völlig absurd und inakzeptabel. Continental hat sich außerordentlich merkwürdig verhalten.

Von der Konzernleitung aus Hannover verlautete, man betrachte keines der Kaufangebote als seriös.
Als "nicht seriös genug" betrachtet allerdings die andere Seite bei den Kündigungsverhandlungen das Verhalten von Conti. Kurt Walter, von der Industriegewerkschaft: "Man verhandelt eigentlich nicht so seriös, wie wir meinen, dass man es tun müsste, wenn es sich um eine derartig große Frage handelt. Nämlich 750 Arbeitsplätze an einem einzigen Ort in Schweden."

Hier scheiden sich die Geister offenbar: Der Geschäftsführer von Conti-Gislaved, Gerhard Janotta, verweist darauf, dass die Verhandlungen schon am 10 . Dezember eingeleitet wurden. Ziel sei ein Abschluß im Februar gewesen. Leider habe sich der Vorgang etwas verzögert.

Sybille Neveling

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