Ex-ABB-Chefs zahlen Teile ihrer Pensionen zurück

Die ehemaligen Chefs von ABB, Percy Barnevik und Göran Lindahl, wollen einen Teil ihrer enormen Pensionen zurückzahlen. Dies teilte der schwedisch-schweizerische Konzern am Sonntag Abend in Stockholm mit. Ob damit die erhitzten Debatten über überhöhte Pensions- und Bonusabkommen vom Tisch sind, ist jedoch fraglich.

Percy Barnevik zahlt gut 60 Prozent seiner enormen Pensionsbezüge zurück. Statt 100 Millionen Euro verbleiben ihm noch 60 Millionen aus Pensionsansprüchen und Boni für seine Zeit als Geschäftsführer von ABB. Und auch die Rente von Ex-ABB-Chef Göran Lindahl verringert sich um die Hälfte auf jetzt knapp 32 Millionen Euro. Dies ist das Ergebnis von Rentenberechnungen und statistischen Werten aus vergleichbaren Unternehmen in Europa, die die Verhandlungspartner zu Rate gezogen haben. Für Regierungschef Göran Persson aus dem sozialdemokratischen Lager sind die Summen jedoch immer noch grotesk:

”Machen Sie einmal das Gedankenexperiment, dass die jetzt ausgehandelten Pensionen von bis zu einer halben Milliarde Kronen an die Öffentlichkeit gekommen wären. Danach hätte es die gleiche Debatte gegeben. Diese Übereinkunft befreit weder ABB, die schwedische Investorgruppe oder die schwedische Wirtschaft davon, Bonussysteme für Geschäftsführer öffentlich zu diskutieren. Und das muss jetzt passieren. Ist es zum Beispiel angemessen, dass die Boni so hoch ausfallen, wenn man gewisse Aufgaben nicht erfüllt?”

Die neue Übereinkunft sei in beiderseitigem Einverständnis zustande gekommen, hiess es bei ABB. Percy Barnevik ging es vor allem um ein Ende der negativen Berichterstattung, die die hohen Bezüge ausgelöst hatten. Schliesslich galt er bis vor einem Monat noch als Musterbeispiel eines verantwortungsbewussten Industriellen. Und auch Göran Lindahl hat die Folgen seines hohen Pensionsabekommens schon zu spüren bekommen. Ein Beraterposten bei der UNO wurde nicht verlängert. Am Montag wurde zudem bekannt, dass Lindahl seinen Posten in der Leitung der Investmentfirma Ratos aufgibt - sein letzter Stuhl in der Leitung eines börsengeführten schwedischen Unternehmens.

Erleichterung über die reduzierten Pensionen gab es auch auf der Seite von ABB. Aufsichtsratsmitglied Kurt Schiltknecht sieht die Entscheidung der zwei schwedischen Ex-Chefs als einen neuen Anfang vor der am Dienstag beginnenden Aktionärsversammlung: ”Die Menschen bekommen den Eindruck, dass die Zeit des Versteckens oder das nicht völlige Offenlegen von Informationen vorbei ist. Und damit glaube ich, dass dies der Beginn einer neuen Ära ist.”

Dass ABB damit die grösste Kritik vor der am Dienstag beginnenden Aktionärsversammlung abwenden oder zumindest abmildern konnte, ist wahrscheinlich. Doch in Schweden werden die Diskussionen weitergehen.

Agnes Bührig

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade ljud i menyn under Min lista