Antrag auf lebenslänglich für sogenanntem Ehrenmord

Im Amtsgericht von Uppsala ging heute der viel beachtete Prozess gegen Rahmi Sahindal zu Ende. Der in Schweden lebende Kurde war angeklagt, seine eigene Tochter Fadime erschossen zu haben.

Es war ein Prozess mit Hindernissen. Am Mittwoch, dem zweiten Verhandlungstag, liess Staatsanwältin Anne Sjöblom die Verhandlung unterbrechen. Ein Cousin der Ermordeten Fadime hatte sich gemeldet. Der 31-Jährige gestand, den Mord begangen zu haben. Er wollte damit seinen Onkel Rahmi Sahindal entlasten und sein eigenes Ansehen in der Familie stärken, wird ein Freund des Mannes in der Abendzeitung Aftonbladet zitiert. Doch im Verhör durch die Untersuchungskommission erwiesen sich seine Angaben als wenig stichhaltig. Staatsanwältin Anne Sjöblom beantragte daher am Freitag eine lebenslange Haftstrafe für Rahmi Sahindal. Dabei spielte auch die Frage eine Rolle, ob die ermordete Fadime ihren kurdischen Vater durch ihre moderne schwedische Lebensweise provoziert hatte, so die Staatsanwältin: ”Im aktuellen Fall ist dem Morden nicht die geringste Provokation vorausgegangen. Rahmi Sahindal hat die Tat zielstrebig und kaltblütig ausgeführt. Er hat Fadime mit Schüssen aus nächster Nähe hingerichtet. Ich fordere daher, dass Rahmi Sahindal wegen Mordes auf Lebenszeit verurteilt wird.”

Während der 31-Jährige Cousin für sein falsches Geständnis straffrei ausgeht, hat sich ein anderer Cousin vermutlich des Meineids schuldig gemacht. Der 49-Jährige hatte kurz nach der Tat im Polizeiverhör noch ausführlich über seine Kontakte zum angeklagten Sahindal berichtet. Vor Gericht jedoch konnte er sich an die wenigsten seiner Aussagen erinnern. Deshalb droht ihm jetzt eine Strafe von bis zu vier Jahren Gefängnis. Staatsanwältin Sjöblom hat den Fall an die Oberstaatsanwaltschaft weitergeleitet.

Ob dem Antrag auf lebenslängliche Haft für Rahmi Sahindal für den Mord an seiner Tochter Fadime statt gegeben wird, soll am 3. April mitgeteilt werden.

Agnes Bührig

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