Lebenslänglich im Mordfall Fadime

Das Amtsgericht Uppsala verurteilte heute nachmittag den Kurden Rahmi Sahindal zu einer lebenslänglichen Haftstrafe. Sahindal hatte im Januar seine Tochter Fadime erschossen, weil die Familie den westlichen Lebensstil der jungen Frau nicht hinnehmen wollte.

Die 26-Jährige studierte, hatte einen schwedischen Freund und entzog sich dem Einfluss der Familie weitgehend. Nach Ansicht des Gerichts kann die Vorgehensweise Sahindals mit einer regelrechten Hinrichtung verglichen werden. Die Ermordete hatte ihre Schwester in Uppsala besucht und war dabei von ihrem Vater mit mehreren Schüssen getötet worden. Die Mutter und zwei Schwestern waren Zeuginnen der Tat. Der Mord an Fadime Sahindal löste eine öffentliche Diskussion über die Integration von Einwanderern und sogenannte Ehrenmorde aus.

Der Fall Fadime ist einer der meist beachteten Rechtsfälle Schwedens. Sie habe die Ehre der Sippe mit ihrem selbständigen Lebensstil befleckt, daher musste Fadime sterben, hatte ihr Vater schon kurz nach der Tat zu Protokoll gegeben.

Integrationsministerin Mona Sahlin hält den Fall Fadime nur für die Spitze des Eisberges. Und Sara Mohamed, die Vorsitzende eines Vereins, der sich in einem anderen Fall sogenannten Ehrenmords engagiert hat, glaubt gar, dass 80 Prozent aller Einwanderinnen aus Nahost und Afrika im Namen der Familienehre unterdrückt werden. Regeln und Gesetze dafür, inwieweit man von der Norm der schwedischen Kultur abweichen darf, müssen überarbeitet und neu definiert werden. Darüber herrscht weitgehende Einigkeit.

Der Prozess gegen Rahmi Sahindal rückte die Integration von Einwanderern ins Scheinwerferlicht. Die Regierung gestand ein, dass Schweden bis dahin recht lasch auf Kriminalität unter dem Deckmantel der Familienehre reagiert hatte. Inzwischen glaubt Integrationsministerin Sahlin, dass das Schicksal der ermordeten Fadime Sahindal für junge Einwanderinnen sowohl die Hoffnung auf ein selbständiges Leben symbolisiert, als auch die Tatsache, dass das neue Heimatland sie nicht genug in ihrem Freiheitsstreben unterstützt.

Die öffentliche Diskussion hat bisher dazu geführt, dass nun Mittel bereit stehen, um bedrohte junge Einwanderinnen konkret vor ihren Familien zu schützen. Polizei, Schulen und Sozialämter sind angewiesen, in ähnlichen Fällen aktiver einzugreifen als bisher.

Und die Generalstaatsanwaltschaft überprüft derzeit, ob Urteile über kulturell bedingte Gewalt oder Gewaltandrohung in der Vergangenheit zu milde ausgefallen sind. Falls das der Fall sein sollte, will die Staatsanwaltschaft versuchen, ein Verfahren bis in die oberste Instanz zu bringen um einen Präzedenzfall zu schaffen.

Sybille Neveling

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