Bahnreisen

Chaos im Osterverkehr erwartet

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Am Osterwochenende brauchen Schwedens Reisende Nachsicht und Geduld: Verspätungen und andere Unannehmlichkeiten sind zu erwarten, wenn die Bahn mit umfassenden Wartungs- und Reparaturarbeiten maroden Gleisen zu Leibe rücken will. Der Effekt der Hauruck-Aktion bleibt aber zweifelhaft. Um die wachsenden Probleme im Schienennetz zu lösen, scheint eine grundlegende Kursänderung angezeigt.

„Man muss damit rechnen, dass die Reise etwas länger dauert als gewöhnlich“, so Lennart Mossberg vom Amt für Verkehrswesen im Schwedischen Rundfunk. Mit bis zu drei Stunden Verspätung droht das Amt beispielsweise für die Strecke Stockholm-Göteborg. Flächendeckend werden von Gründonnerstag bis Ostermontag im Regional- und Fernverkehr zahlreiche Zugabfahrten gestrichen oder durch Busse ersetzt. „Wir nehmen das zu Ostern in Angriff, weil über Ostern im Zugverkehr letztlich weniger los ist als an einem durchschnittlichen Werktag, auch wenn viele das nicht glauben“, erklärt Mossberg. „Die Arbeiten betreffen verschiedene Bereiche, wie beispielsweise das Schienennetz oder Signalsysteme. Der Wartungsbedarf ist groß.”

Verantwortung im Dunkeln

Vor allem bei der Aufrüstung der Gleise gibt es viel zu tun. Rund ein Drittel aller Zugverspätungen geht heute nach Berechnungen der Zeitung Svenska Dagbladet auf das Konto von reparaturbedürftigen Gleisen oder Problemen im Schienennetz. Eine Verdoppelung im Laufe von fünf Jahren – damals sorgten Gleisprobleme für nur 15 Prozent aller Verspätungen. Allein in diesem Jahr sind beim Verkehrsamt nun schon 13.000 Fehlermeldungen für den Schienenbereich eingegangen. Doch die Bearbeitung stößt auf Probleme: Wie auch anderswo in Schwedens Zugverkehr, weiß infolge umfassender Deregulierung die linke Hand oft wenig vom Tun der rechten. So obliegt die Wartung des Schienennetzes privaten Unternehmen. Die Verantwortlichkeiten für Mängel und ihre Behebung verblieben allzu oft im Dunkeln, beklagen Gewerkschaftsrepräsentanten gegenüber Svenska Dagbladet. Auch Unternehmer wie Johan Stöör, Chef des seit kurzem auf der Strecke Stockholm-Göteborg verkehrenden privaten Zugunternehmens MTR Express, sind kritisch: In der Debatte um Verbesserungen bei der Bahn, so Stöör, gehe es allzu sehr um Geld und allzu wenig um Verantwortung.

Mehr staatliche Kontrolle

Eine Einsicht, die langsam auch die Politiker zu erreichen scheint. Zwar wird der rot-grüne Haushaltsentwurf Mitte April laut Verkehrsministerin Anna Johansson weitere Finanzspritzen für die Bahn enthalten. Vor allem aber, so die Ministerin, müssten Verantwortlichkeiten klarer werden. Und: der Staat müsse sich die Kontrolle über die Wartungsarbeiten zurückholen. Konkret könne das bedeuten, dass mehr dieser Arbeiten künftig in rein staatlicher Regie ausgeführt werden. Doch zunächst gilt es für Schwedens Reisende also, im österlichen Wirrwarr auf dem rechten Gleis zu bleiben. Hilfreich ist dabei laut Lennart Mossberg vom Amt für Verkehrswesen vor allem der Blick ins Internet: „Es ist gut, wenn man sich über den Ersatzverkehr auf dem Laufenden hält, und zwar vor allem auf den Websites der jeweiligen Zugbetreiber.“

Anne Rentzsch