Hintergrund

Stockholm streicht Marathonförderung

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Es hat für viel Wirbel gesorgt, als Mitte April bekannt wurde, dass der Stockholm Marathon kein Preisgeld für Starter außerhalb der nordischen Länder vergeben will. Einen Tag nachdem die Umwandlung des Marathons in eine nordische Meisterschaft bekannt wurde, ruderten die Veranstalter zurück, allerdings nur halbherzig. Jetzt hat die Stadt Stockholm ihren Beitrag zum Marketing des Wettbewerbs entzogen.

200.000 Kronen, also umgerechnet gut 20.000 Euro, hatte die Stadt Stockholm den Betreibern des Marathons zugesagt, für internationale Marketingaktivitäten.

Doch vor einigen Tagen kündigte die für das Stadtmarketing zuständige Behörde „Stockholm Business Region“ an, das zugesagte Geld wieder zu entziehen. Ihr Vertreter Thomas Andersson sagte Radio Schweden:

„Wir hatten den Betrag für das internationale Marketing zugesagt. Jetzt wo man den Stockholm Marathon zur nordischen Meisterschaft gemacht hat, war die Grundlage für den Beschluss nicht mehr gegeben. Deshalb ziehen wir den Beitrag zurück.“

Vor rund einem Monat war bekannt geworden, dass der Stockholm Marathon keine internationalen Spitzenläufer eingeladen hatte. Das Preisgeld, insgesamt 250.000 Kronen, also gut 25.000 Euro, sollte nur an Teilnehmer aus  Schweden, Norwegen, Finnland, Dänemark oder Island gehen, auch wenn ausländische Läufer unter die ersten sechs kommen.

Teilweises Einlenken nach Protesten

Diese Maßnahme wurde von Medienbeobachtern und ausländischen Läufern als rassistisch und insgesamt als negatives Signal verurteilt. Einen Tag später ruderten die Veranstalter zurück. Auch ausländische Läufer bekommen nun ein Preisgeld, sollten sie auf Platz eins bis sechs kommen. Das Geld für sie aber kommt aus einem anderen Topf, denn ein nordischer Meister soll trotzdem gekürt werden.

Ausländische Spitzenathleten wurden auch nachträglich nicht eingeladen. Wer mitlaufen will, musste die Anreise anders als sonst selbst organisieren – vor einigen Wochen waren nur sechs Kenianer und ein Äthiopier angemeldet. Dabei hatten Läufer vom afrikanischen Kontinent den Wettbewerb in den letzten Jahren dominiert - den letzten skandinavischen Sieg holte 2001 der Schwede Anders Szalkai. Bei den Frauen gewann acht der letzten neun Marathonrennen Isabellah Andersson – sie ist in Kenia geboren und seit 2009 Schwedin.

Für die Stadt war der Kompromiss der Veranstalter eine halbgare Lösung – und Grund zum Handeln. Die 200.000 Kronen für das internationale Marketing, die insgesamt rund 20 Prozent des Marketings für den Stockholm Marathon ausmachen, werden nun nicht ausgezahlt. Der Schaden für Stockholm sei groß und auch durch das teilweise Einlenken nicht mehr abzuwenden gewesen, so die Begründung von Stockholm Business Region im Vorfeld gegenüber der Zeitung „Dagens Nyheter“.

Geldfrage keine Imagesache

Aber schadet die Stadt selbst dem Image nicht auch noch, wenn sie die Gelder für internationales Marketing streicht - also bei internationalen Journalisten und Amateur-Teilnehmern, die immerhin aus mehr als 100 Ländern kommen? Thomas Andersson sagte: „Natürlich ist es super, wenn viele Nationen kommen und beim Stockholm Marathon mitlaufen. Aber das sind zwei verschiedene Dinge.“

Die Gelder seien für ein Rennen internationaler Topathleten bewilligt worden und nicht für eine Skandinavien-Meisterschaft.

Der Veranstalter will nicht gegen die Entscheidung der Stadt klagen. David Fridell vom Stockholm Marathon sagte Radio Schweden, die Auslagen für dieses Jahr seien schon getätigt, der Verlust für den gesamten Marathon halte sich in Grenzen. Trotzdem: „Wir sind traurig, dass wir den Betrag für internationales Marketing nicht erhalten, den wir uns erhofft hatten“.

Kein Umdenken beim Veranstalter

Die Entscheidung, keine internationalen Topathleten einzuladen, bereue man aber auch nicht:

„Nein, das denke ich nicht. Wir waren sehr unklar in der Kommunikation und haben am Anfang nicht so klar nachgedacht. Aber die Idee mit der nordischen Meisterschaft war gut für den nordischen Laufsport und das war das Ziel. Für den Stockholm Marathon als Ganzes ist es sehr wichtig, dass er ein großes internationales Ereignis ist und das ist er in diesem Jahr ist es das mehr denn je.“

So viele Nationen wie nie am Start, ein Drittel der Läufer kommt aus dem Ausland.

„Wir hoffen dass die nordische Meisterschaft ein Erfolg für die Elite wird und dass sie ein großes Volksfest wird und dass sie in der Welt der Läufer aufgeht.“

Im nächsten Jahr wird der Marathon nicht zugleich nordische Meisterschaft sein. Vielleicht nähern sich Stockholm Marathon und Stadt dann wieder an.