Passbild von Mijailo Mijailovic
Mord an Anna Lindh

Wer ist Mijailo Mijailovic?

Mijailo Mijailovic hat den Mord an der ehemaligen Außenministerin Anna Lindh gestanden – gut drei Monate nach seiner Festnahme in Stockholm. Schon vor seinem Geständnis galt als sicher, dass der 25-jährige schuld an dem Tod der beliebten Politikerin ist. Denn die technische Beweislast gilt als erdrückend. Nachdem sich die Polizei während der Ermittlungen mit Informationen zum mutmaßlichen Täter extrem zurückhielt, kommen jetzt Details zum Vorleben des Mijailo Mijailovic ans Tageslicht.

Seit Mitte der Woche kennt jeder in Schweden den mutmaßlichen Mörder Anna Lindhs. Sein Bild wurde gleich nach mit dem lang erwarteten Geständnis von der Polizei zur Veröffentlichung freigegeben. Das Passfoto zeigt einen schmalen jungen Mann mit feinen Gesichtszügen, der skeptisch in die Kamera blickt. Wer ist eigentlich dieser Mijailo Mijailovic, der soviel Leid über die Familie Anna Lindhs, das schwedische Volk und die ganze Welt gebracht hat?

Schwierige Kindheit
Der mutmaßliche Täter kam vor 25 Jahren als Sohn serbischer Eltern in Schweden zur Welt. Mit sechs Jahren wurden er und seine Schwester zu den Großeltern geschickt, nahe der ehemaligen jugoslawischen Hauptstadt Belgrad. Mit 13 Jahren kam Mijailo nach Schweden zurück. Da hatte er die Sprache fast verlernt, Schulschwierigkeiten waren somit vorprogrammiert. Seine Kindheit und Jugend hat der junge Mann bei früheren Gelegenheiten als problematisch beschrieben. Dafür spricht auch die Tatsache, dass er als 17-jähriger seinen Vater mit einem Messer lebensgefährlich verletzte. Mijailo wurde zwar zu Bewährungsaufsicht und psychiatrischer Behandlung verurteilt. Doch in den Genuss der psychologischen Betreuung ist der Mann laut Louise Bjurwill nie gekommen. Die Anwältin vertrat damals den Vater des jungen Mannes. „Er war mit seinen 17 Jahren wie ein Kind. Er machte auf mich einen gestörten Eindruck und hätte dringend die psychiatrische Hilfe gebraucht, zu der er auch verurteilt worden war, aber dann nie bekam. Vielleicht wäre Anna Lindh heute noch am Leben, wenn das Urteil damals vollstreckt worden wäre.“

Hilfe verwehrt
Glaubt man seiner Mutter und der Justiz, hat Mijailo Mijailovic schwere psychische Störungen. Die Messerattacke gegen seinen Vater sollte nicht die einzige Körperverletzung bleiben, die auf sein Konto geht. Mit 19 Jahren stand er wegen des gleichen Delikts erneut vor Gericht. Vor zwei Jahren dann sein vorerst letzter Kontakt mit der Justiz – diesmal hatte er eine Frau und deren Mutter bedroht. Offensichtlich hat Mijailo nicht die Hilfe erhalten, die er dringend benötigte. Wenige Tage vor dem Mord an Anna Lindh muss sich der junge Mann erneut an die psychiatrische Abteilung einer Klinik gewandt haben. Laut seiner Mutter, die ihren Sohn als Opfer des schwedischen Gesundheitssystems sieht, offenbar vergeblich. Nach einem kurzen Aufenthalt im Huddinger Krankenhaus im Süden Stockholms schickten ihn die Ärzte wieder nach Hause. Ob vom mutmaßlichen Mörder Anna Lindhs ein psychiatrisches Gutachten erstellt werden wird, ist zurzeit noch unklar. Wenn ja, wird dies den Prozess um ca. einen Monat verzögern.

Urteil noch im Januar erwartet
Mijailo Mijailovic hat seine schreckliche Tat gestanden. Am 12. Januar wird gegen den 25-jährigen am Stockholmer Amtsgericht Anklage erhoben. Zwei Tage später wird vermutlich der Prozess eröffnet. Wird kein Gutachten über Mijailovic erstellt, könnte das Urteil nach drei bis vier Verhandlungstagen gefällt werden, berichtet Louise Bjurwill: „Es gibt drei Möglichkeiten: Entweder zehn Jahre Gefängnis, lebenslänglich oder die Einweisung in eine psychiatrische Anstalt.“

Ulrika Koch

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