Hintergrund - Sprengattentate

In Malmö kracht es häufig

3:21 min

Im südschwedischen Malmö ist am späten Sonntagabend erneut eine Handgranate detoniert. Verletzt wurde niemand. Das Mehrfamilienhaus wurde allerdings erheblich beschädigt. Welcher Zusammenhang zwischen den inzwischen mehr als 30 explodierten Handgranaten in diesem Jahr besteht, ist noch unklar.

Es ist pures Glück, dass bei den Anschlägen nicht mehr Menschen zu Schaden gekommen sind. Bei der jüngsten Explosion vor einem Mehrfamilienhaus im Viertel Möllevången, das zur südlichen Innenstadt gehört, gingen mehrere Dutzend Fensterscheiben zu Bruch. Ein Wunder, dass weder Bewohner noch Passanten verletzt wurden.

„Wir kontrollieren alle Wohnungen, bei denen Fensterscheiben zersplittert sind, um sicherzugehen, dass nicht doch jemand Verletzungen erlitten hat“, so Stephan Söderholm, Pressesprecher der zuständigen Polizeibehörde im Schwedischen Rundfunk. „Evakuiert wurde aber niemand.“ 

Rasche Aufklärung lässt auf sich warten

Die Entwicklung in der südschwedischen Metropole gibt allen Anlass zur Besorgnis. Erst vor zwei Wochen hatte Innenminister Anders Ygeman eine zügige Aufklärung der Anschlagsserie angemahnt. Doch ein Ende der bedrohlichen Explosionen ist ganz offenbar nicht in Sicht. Eine beunruhigende Entwicklung, die dringend gestoppt werden muss, erklärte Lars Korsell, der beim Beirat für Verbrechensbekämpfung (BRÅ) für das organisierte Verbrechen zuständig ist.

„Die Situation erweckt den Eindruck, dass die Gesellschaft und vor allem die Polizei die Stadt nicht unter Kontrolle haben. Dass es hin und wieder mal eine Explosion gibt, wäre ja zu verkraften, doch die ständige Wiederholung jetzt vermittelt, dass die Kapazitäten der zuständigen Behörden nicht genügen. Die Öffentlichkeit muss sich ja fragen, ob Ressourcen und Kompetenz bei der Polizei ausreichen.“ 

Schmuggelware bald aufgebraucht? 

Gut dreißig Mal hat es in Malmö bisher dieses Jahr gekracht. Die Polizei geht davon aus, dass die Handgranaten so wie viele andere Waffen auch aus dem Balkan nach Schweden geschmuggelt worden sind. Lars Korsell von BRÅ rechnet damit, dass die Anschläge nicht ewig weitergehen können – aus dem einfachen Grund, dass sich die Schmuggelladung dem Ende neigt. 

„Man muss versuchen, der Handgranaten in Malmö habhaft zu werden, vor allem indem man die Zahl der Razzien erhöht. Eine andere Möglichkeit sehe ich nicht.“ 

Korsell hält es für eine Frage der Zeit, dass die Taten aufgeklärt werden. Auch wenn es keine weiteren Sondermittel für die Polizei in Südschweden geben wird, wie Innenminister Ygeman kürzlich betonte: Die Explosionen zu stoppen sei Hauptziel der Polizei, was früher oder später zum Erfolg führen werde, so Korsell. Wer hinter den Anschlägen steckt, ist derzeit noch unklar. Im Visier der Ermittler sind unter anderem die rivalisierenden Motorradgangs, die sich der Polizei zufolge durch Waffenverkäufe mitfinanzieren. 

Mehrere Motive denkbar 

Schwierig gestaltet sich jedoch die Suche nach dem Motiv. Im Normalfall dienen Anschläge wie die in Malmö als Warnung durch Schrecken. Über Motive und einen möglichen Zusammenhang zwischen den Explosionen gibt es noch keinen Aufschluss. Auch bei der jüngsten Tat ist unklar, ob gegen einen der betroffenen Bewohner Drohungen vorliegen. 

„Die Situation in Malmö ist derart verworren“, meint Lars Korsell. „Es geht um so viele Anschläge, dass wohl verschiedene Motive dahinterstecken müssen.“