Motorradfahrer Schweden (Foto: Fredrik Persson/TT)
Bald schaumgebremst? (Foto: Fredrik Persson/TT)
Verkehr

Zwangsbremse für Schwedens Motorradfahrer?

Empörung unter Schwedens Motorradfahrern: Das Staatliche Amt für Verkehrssicherheit will ihnen mit strengeren Geschwindigkeitsregeln den Spaß verderben.

So interpretieren viele jedenfalls eine Liste mit Vorschlägen für mehr Sicherheit für Motorradfahrer. Die bislang geheime Liste war durch Lecks in die Öffentlichkeit gelangt. Nun sehen sich die Ritter der Landstraße in ihrer persönlichen Integrität verletzt und in ihrer Freiheit beschnitten. Der Vorschlag zur Geschwindigkeitsbegrenzung sei absolut inakzeptabel, betont Maria Nordqvist vom Verband schwedischer Motorradfahrer, SMC.

"Ich bin wütend, und und vor allem bin ich traurig und enttäuscht. Man misst mit zweierlei Maß, stellt härtere Forderungen an Motorrad- als an Autofahrer“, so Maria Nordqvist im Schwedischen Rundfunk. „Ich empfinde das als Diskriminierung,  als Verletzung des Grundsatzes, das für alle die gleichen Regeln gelten. Es muss Gleichheit vor dem Gesetz herrschen.“

Eingebauter Regulator

Der größte Stein des Anstoßes ist der Vorschlag, mit einem eingebauten Geschwindigkeitsregulator die Höchstgeschwindigkeit auf 130 km/h „einzufrieren“. Wer die zulässigen Grenzen mit über 20 km/h überschreitet, soll zudem die Fahrerlaubnis abgeben müssen. „In den sozialen Medien schreiben die Leute, wenn diese Regeln in Kraft treten, dann verkaufen sie ihr Motorrad“, sagt Maria Nordqvist  vom SMC, der an die 71.000 Mitglieder vertritt.

„Wir begrüßen eine Diskussion über dieses Thema“, sagt Jörgen Persson vom Verkehrssicherheitsamt. Die angedachten Veränderungen hätten das Ziel, Missstände auf der Straße zu  beseitigen: „Wir arbeiten systematisch daran, für Motorradfahrer mehr Sicherheit zu schaffen, und die  Geschwindigkeit ist dabei eine ganz zentrale Frage. Leider ist die Akzeptanz für die Einhaltung von Höchstgeschwindigkeitsregeln gering. Sechs von zehn Motorradfahrern halten diese Begrenzungen nicht ein. Autofahrer sind da besser – und die sitzen immerhin in einer schützenden Karosse.“

Noch kein Beschluss

„Sicher, die Motorradfahrer sind ungeschützt“, räumt Maria Nordqvist vom Verband der Motorradfahrer ein. „Und es ist wichtig, die Geschwindigkeitsregeln einzuhalten. Doch zum einen sei die Verkehrsdisziplin unter Autofahrern laut Statistik nur um ein Geringes höher.  Und zum anderen: „Wenn so viele Motorradfahrer sich nicht an die Geschwindigkeitsgrenze halten – vielleicht ist diese Grenze dann falsch gesetzt?“

In einem Brief an die Generaldirektorin des Verkehrssicherheitsamtes, Lena Erixon, haben die Motorradfahrer jetzt um einen Dialog gebeten. Die aktuellen Vorschläge würden nicht zu mehr Sicherheit führen, heißt es in dem Brief. Jörgen Persson vom Verkehrssicherheitsamt rät unterdessen, das Adrenalin in der Debatte ein wenig herunterzufahren: „Wir reden hier von einer Liste, die in einer Arbeitsgruppe diskutiert worden ist. Zunächst einmal muss man nun schauen, ob diese Liste Vorschläge enthält, die es wert sind, weiter ausgebaut zu werden. Es handelt sich in keiner Weise um einen Beschluss.“

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