Swish Schweden (Foto: Christine Olsson/TT)
Einfach, aber nicht risikolos (Foto: Christine Olsson/TT)
Elektronische Bezahlung

Swish - und das Geld ist "weg"

Allen Sicherheitsmängeln zum Trotz erfreut sich die Geld-App Swish in Schweden stetig wachsender Beliebtheit. Nicht nur Privatpersonen, sondern auch mehr und mehr Unternehmen nutzen die Möglichkeit, per Handy mit diesem P2P (Person an Person)-System schnell und unkompliziert Geld zu überweisen. Fragen der Sicherheit treten dabei oft in den Hintergrund – unter Firmen ist Steuerbetrug per Swish mittlerweile weit verbreitet. Jetzt nimmt sich die Steuerbehörde der Sache an.

 

„Wir haben im Sommer entsprechende Kontrollen durchgeführt“, sagt Conny Svensson, Koordinator beim Steueramt. „Dabei stellte sich heraus, dass sich Firmen von Kunden Geld überweisen lassen, diese Überweisung dann aber nicht in einem Kassenregister vermerken, wie das ja im Normalfall zu geschehen hat. Das heißt, die Firma nimmt nur das Geld entgegen und damit hat es sich. Das ist Betrug.“

Rund 40 Prozent der im Sommer kontrollierten Firmen musste die Steuerbehörde laut Svensson abstrafen, normalerweise seien es 25 Prozent. Ein Großteil des Zuwachses an Betrügereien dürfte Swish zuzuschreiben sein, dem Bezahldienst, der denkbar einfach funktioniert – man braucht lediglich die Handynummer des Empfängers – und der seit seinem Start im Dezember 2012 in Schweden einen regelrechten Siegeszug angetreten hat: Schon Ende vergangenen Jahres hatten sich laut Firmenangaben 1,8 Millionen der insgesamt 9,65 Millionen Einwohner für Swish registriert. Vor allem unter jüngeren Leuten gehört das „Swishen“ mittlerweile zum Alltag.

„Irgendwie sicherer“

Fragen etwa der Art, inwieweit der Zahlungsvorgang vor unbefugter Einsicht geschützt und ordnungsgemäß registriert wird, interessieren viele Kunden dabei wenig. Getreu dem in Schweden grundsätzlich sehr vertrauensvollen Umgang mit elektronischer Kommunikation begnügen sich viele mit der Bestätigung des Geldeingangs beim Empfänger. Den zweiten Schritt, nämlich den Erhalt der Quittung dafür, dass der Betrag dort auch wirklich registriert worden ist, überspringe man dann, tadelt Conny Svensson von der Steuerbehörde. Eine kurze Umfrage des Schwedischen Rundfunks bestätigt das. Sie fordere normalerweise keine Quittung, sagt Wilma Holgersson aus Lammhult. Obwohl, wenn sie`s recht bedenke: „Mit einer Quittung fühlt sich`s ja doch irgendwie sicherer an.“ Auch Sara Swärd aus Växjö hat beim Swishen noch nie eine Quittung bekommen – darüber, dass die Empfangsbestätigung, wenn es hart auf hart kommt, nicht ausreicht, hat sie auch noch nie zuvor nachgedacht: „Ich war der Meinung, man sieht die Bestätigung ja auf dem Display.“

Wer zuletzt lacht…

Die Unbekümmertheit der Kunden haben sich nun offenbar in steigendem Maße Firmen für doppelte Buchführung zunutze gemacht – allerdings ebenfalls auf recht blauäugige Weise. Just Schummel per Swish kann das Steueramt nämlich leicht entdecken, weil die elektronische Bezahlung rasch zu verfolgen ist. „Wir können von den Banken und Kreditgebern Informationen erhalten, wohin die Gelder gegangen sind“, erläutert Conny Svensson. „Wenn wir diese Angaben dann mit dem vergleichen, was die Buchführung verzeichnet, stellen wir große Diskrepanzen fest. Dann besteuern wir die Unternehmen entsprechend.“ Die nur vermeintlich cleveren Firmen müssen außerdem mit Geldstrafen rechnen. An die 1000 Euro sind zu berappen, wenn man beim ersten Betrug ertappt wird, beim zweiten Mal wird es bereits doppelt so teuer. Noch in diesem Herbst will die Steuerbehörde neue Regeln für die Buchführung von Swish-Zahlungen ausarbeiten. Bis dahin dürften dem Amt noch einige Gelder überführter Sünder zufließen.  

Anne Rentzsch

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