Эва Кулльберг/Eva Kollberg. Фото: Сarina Holmberg/SR
Eva Kollberg bei der Stadtbezirksverwaltung Göteborg ist dem Ansturm der Helfer kaum gewachsen (Foto: Сarina Holmberg/Sveriges Radio)
Hintergrund – Private Flüchtlingsunterkünfte

Mehr Schweden wollen Flüchtlinge bei sich aufnehmen

4:36 min

Die Bereitschaft der Schweden, bei sich zu Hause unbegleitete Flüchtlingskinder aufzunehmen, ist markant gestiegen. Die zuständigen Abteilungen bei den Kommunen sind dem Ansturm kaum gewachsen. Gleichzeitig warnen Mitarbeiter vor enttäuschten Erwartungen.

Die Hilfsbereitschaft ist auch in Schweden groß. Bei der für die Vermittlung von privaten Flüchtlingsunterkünften zuständigen Abteilung der Stadtbezirksverwaltung Göteborg kommen statt durchschnittlich sechs Mails pro Tag inzwischen 130. Bei den Telefonanrufen zählt Mitarbeiterin Eva Kollberg schon gar nicht mehr mit.

„Die meisten Anrufe fangen an mit ‚Jetzt reicht es. Ich habe Platz zu Hause, den ich zur Verfügung stellen kann.' Nun müssen wir zusehen, dass wir uns gut und zügig um alle Interessenten kümmern. Dass sich so viele Menschen melden, bedeutet, dass die unbegleiteten Kinder eine Familie und ein Zuhause bekommen. Das ist doch das Wertvollste, was wir Kindern geben können."

Caroline Carlstam ist eine von denen, die ihr Zuhause für einen minderjährigen Flüchtling öffnen will - am liebsten im Alter ihrer eigenen vier- und zweieinhalbjährigen Kinder. Sie ist sich darüber im Klaren, dass die Aufnahme eines vermutlich traumatisierten Kindes kein Pappenstiel ist. „Ich denke, es ist sehr wichtig, dass man ein gutes Netzwerk hat und sich mit vielen Menschen austauschen kann", sagt Carlstam im Schwedischen Rundfunk. „Dann gibt es viel Hilfe von den verschiedenen Anlaufstellen bei der Kommune, die man unbedingt in Anspruch nehmen sollte."

Keine Dankbarkeit von Jugendlichen erwarten

In Stockholm ist Camilla Ydeklew für die Bearbeitung der Anträge zuständig. Sie will niemanden entmutigen, warnt aber euphorische Helfer vor falschen Erwartungen. „Wir beobachten, dass viele auf Kleinkinder vorbereitet sind, voll gerüstet mit Babynahrung und Windeln. Dabei sind die meisten ja schon jugendlich. Das andere ist, dass man mit Dankbarkeit seitens der Jugendlichen rechnet. Ganz allgemein sind Jugendliche aber keine dankbare Gruppe."

Vor drei Jahren kam Qadir Akbari aus Afghanistan nach Schweden. Damals war er 16 Jahre alt. Sein schwedisches Zuhause, das ihm damals zugewiesen wurde, bezeichnet Akbari als seine zweite Familie. Für ihn lief es gut. In anderthalb Jahren wird er voraussichtlich die gymnasiale Oberstufe abschließen, er hat einen Nebenjob und vor allem ist er zufrieden mit seinem neuen Leben so fern von der Heimat. Doch auch der 19-Jährige betont, dass das Leben mit einem Flüchtlingskind eine Herausforderung sein kann. Zeit und Geduld sind nur zwei wichtige Aspekte.

„Man muss Grenzen setzen können. Wir kommen aus Ländern ohne Demokratie, das bedeutet, dass wir den Begriff unterschiedlich deuten. Eine Grenze betrifft zum Beispiel die Schule: Es gibt hier eine Schulpflicht, und das müssen die Eltern auch klar machen. Da geht es nicht, dass man einfach sagt: ‚Nein, keine Lust.'"

Betrüger sollen an Regeln scheitern

Erst am Montag berichtete das Schwedische Fernsehen davon, wie bereits in Schweden lebende Verwandte die unbegleiteten Flüchtlingskinder ungehemmt für Haushaltsdienste ausnutzen - und dabei Geld von den Kommunen einstreichen. Demnach stellte die Migrationsbehörde fest, dass in zwei von drei Fällen Verwandte den Kindern keine geeignete Bleibe bieten können.

Doch auch bei den für die Kinder Fremden, die sich jetzt um ihr Wohl kümmern wollen, müssen die Behörden darauf achten, dass die Minderjährigen nicht an die Falschen geraten. Dafür hat zumindest die Kommune Stockholm klare Richtlinien, betont Mitarbeiterin Camilla Ydeklew. So geht das Amt verschiedene Karteien danach durch, ob der Bewerber vorbestraft ist, beim Gerichtsvollzieher bekannt oder bei der staatlichen Versicherungskasse aufgefallen ist. Mehrere persönliche Treffen begleiten den Antrag, selbst ein Psychologe sichtet das gesammelte Material eines Antragstellers.

„Es ist wichtig, dass wir keine Ausnahmen von den Regeln machen", so Ydeklew. „Wir müssen mehr Personal beschäftigen, das sich jeden Fall genau ansieht. Bei so einem Ansturm ist klar, dass auch bei Menschen ein Interesse geweckt wird, die sich normalerweise nicht gemeldet hätten. Und es gibt natürlich Erwachsene, die nicht das Beste für ein Kind wollen, sondern die sich aus anderen Gründen bewerben. Wir müssen also unbedingt an unserem Prozedere festhalten."

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