Sveriges statsminister Stefan Löfven. Foto: Bertil Ericson/TT.
Verspricht "echte" Investitionen für eine Wende in Schweden: Ministerpräsident Stefan Löfven (Foto: Bertil Ericson/TT)
Hintergrund - Arbeitsmarkt

Regierung investiert in bessere Integration

3:29 min

Vor dem Hintergrund der steigenden Zahl von Flüchtlingen, die nach Schweden kommen, hat die rot-grüne Regierung am Donnerstag ein Maßnahmenpaket zur schnelleren Integration der Neuankömmlinge präsentiert. Dabei geht es nicht zuletzt darum, wie Einwanderer schneller auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen können.

„Schweden gemeinsam" heißt das neue Investitionspaket, das so neu gar nicht ist. Vieles ist bereits im Haushalt enthalten oder für den Nachtragshaushalt angekündigt. Gebündelt sind die Maßnahmen in Höhe von umgerechnet knapp 400 Millionen Euro in den kommenden zwei Jahren jedoch ein Zeichen von Rot-Grün, dass bei der Integration von Einwanderern etwas geschehen muss. Es seien „echte" Investitionen, betonte Ministerpräsident Stefan Löfven, mit der Absicht, Schweden „eine andere Richtung" zu geben. Die Flüchtlinge sollen dabei helfen, dieses Ziel zu erreichen.

„Unsere Bevölkerung wird immer älter, und um die demographische Entwicklung zu stemmen, brauchen wir in unserem Land mehr Menschen im arbeitsfähigen Alter, die arbeiten und Steuern zahlen. Dadurch erwirtschaften wir die nötigen Mittel für sozialen Wohlstand. Umso wichtiger ist es, dass diejenigen, die zu uns kommen, schnell einer Erwerbstätigkeit nachgehen, und genau darauf zielen unsere Investitionen ab."

Chance auf Schwedisch-Lernen

So sollen etwa die Ausbildungen und Zeugnisse aus anderen Ländern schneller bewertet werden. Auch die mitgebrachte Kompetenz soll Schweden besser zugutekommen als bisher. Und selbst das heiße Eisen Sprachkenntnisse, mit dem die Liberalen seit bald 20 Jahren viel Kritik auf sich gezogen haben, fasst Rot-Grün an: „Schwedisch ab dem ersten Tag" heißt die Maßnahme, die jedoch nicht wie von den Liberalen als Forderung an Zuwanderer, sondern als „Möglichkeit" für sie angepriesen wird.

Wirklich neu ist die Aufstockung der Zuschüsse für die Kommunen. 50 Prozent mehr Geld sollen die Gemeinden bekommen, um dem Ansturm gerecht zu werden.

Mehr arbeitslose Migranten

Zeitgleich mit den neuen Vorschlägen der Regierung kamen allerdings neue, wenig optimistisch stimmende Zahlen von der Arbeitsmarktbehörde: Demnach sind immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund arbeitslos. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Arbeitslosenquote insgesamt leicht sinkt.

„Das große Problem ist die Zunahme der Arbeitslosen unter den im Ausland Geborenen, vor allem die aus außereuropäischen Ländern", sagt Mats Wadman, Abteilungsleiter der Arbeitsmarktbehörde, im Schwedischen Rundfunk. „Die Schere geht also immer weiter auf."

Gute Chancen - nach sieben Jahren

16.000 Einwanderer mehr als noch im Vorjahr waren im August bei der Behörde als arbeitssuchend gemeldet. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 21,4 Prozent, knapp einen Prozentpunkt mehr als noch vor einem Jahr. Für Schweden insgesamt sehen die Zahlen weitaus günstiger aus: Demnach liegt die Arbeitslosenquote bei 7,7 Prozent (August 2014: 7,8%).

Mats Wadman bemüht sich trotzdem um Optimismus: „Ein Großteil wird selbstverständlich Arbeit finden. Das betrifft vor allem diejenigen, die eine Ausbildung mitbringen. Diejenigen mit weniger Kompetenz dagegen brauchen Unterstützung, damit sie auch um die befindlichen Jobs konkurrieren können."

Die Chancen auf einen Job seien also recht gut, meint zumindest der Mitarbeiter der Arbeitsmarktbehörde. Allerdings müssen sich Einwanderer derzeit im Schnitt sieben Jahre gedulden, bis sie einen Job auf dem schwedischen Arbeitsmarkt finden.

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