En tiggare sitter på en gata i Stockholm. Foto: Oskar Kullander/TT.
Ist ihm durch Geben mehr geholfen?
Armut in Europa

Minister-Aufruf: Gebt Bettlern kein Geld mehr

4:08 min

Die rot-grüne Regierung will verstärkt dagegen vorgehen, dass verarmte Rumänen und Bulgaren, vielfach Angehörige der Roma, nach Schweden kommen um zu betteln.

In einem öffentlichen Aufruf empfiehlt die Ministerin für Gleichberechtigung Åsa Regnér, wohltätige Spenden an Hilfsorganisationen vor Ort zu schicken, statt das Geld direkt Bettlern auf schwedischen Straßen zu geben. Die Zahl der EU-Bürger, die sich kurzzeitig im Land aufhielten, müsse verringert werden, so Regnér, die für ihren Vorstoß am Freitag scharfe Kritik erntete.

„Direkte Spenden an Organisationen helfen den notleidenden EU-Bürgern am meisten. Natürlich kann jeder mit seinem Geld machen, was er für richtig hält. Gerade in Rumänien aber gibt es verschiedene schwedische und internationale Organisationen, die seit Langem schon dort arbeiten und die genau offenlegen, wie sie die Spenden anwenden“, so die Ministerin im Schwedischen Rundfunk.

Bis zu 5.000 verarmte EU-Bürger

Gemeinsam mit dem Regierungsbeauftragten für notleidende EU-Migranten, Martin Valfridsson, ruft Åsa Regnér in einem Gastbeitrag für die Zeitung Dagens Nyheter zu neuen Verhaltensweisen auf. Laut Schätzungen halten sich 4.000 bis 5.000 verarmte Rumänen und Bulgaren auf Schwedens Straßen auf. Viele von ihnen sind Angehörige der Roma und leben in ihren Heimatländern in prekären Zuständen. Für sie erscheint das harte Leben auf der Straße selbst während der Wintermonate als attraktiv.

Als EU-Bürger und ohne schwedische Personennummer fallen die Betroffenen durch alle soziale Netze in Schweden. Lediglich ideelle Initiativen der Stadtmission, der Kirchen oder des Roten Kreuzes können die äußerste Not lindern. Der Standpunkt der schwedischen Regierung war und ist, dass den Betroffenen langfristig in Schweden nicht geholfen werden kann, dass stattdessen vor Ort in Rumänien die Situation verbessert werden soll. Doch dass nun von Ministerebene aus der Bevölkerung ausdrücklich nahegelegt wird, den Bettlern nichts mehr direkt zu geben, bezeichnet Soraya Post, EU-Parlamentarierin und selbst Angehörige der Roma, als Skandal.

"Vorschlag ist ein Skandal"

„Man nähert sich hier mehr und mehr der Rhetorik der rechten Schwedendemokraten an. Gewöhnlich ist es immer diese Partei, in der davon gesprochen wird, dass den Leuten lieber vor Ort geholfen werden soll. Vor Ort zu helfen ist nicht falsch, aber die Menschen dazu aufzufordern, einem anderen Menschen, der notleidend auf der Straße sitzt, nichts zu geben, das ist ein Skandal. Wo bleibt hier das Mitgefühl? Sollen wir das aus unseren Herzen rausradieren?“, so Post, die für die Feministische Initiative im EU-Parlament sitzt.

Auch Hilfsorganisationen in Schweden betonen, dass die akute Not nicht übersehen werden darf. Die Stadtmission Stockholm, das Rote Kreuz und die Heilsarmee warnen davor, nun sämtliche Ressourcen nur noch auf die Herkunftsländer der Armen zu konzentrieren. „Für viele machen solche Einkünfte noch immer einen entscheidenden Unterschied“, so Karolina Nilsson von der Heilsarmee. „Sie können mit den Geldern ihr Haus in Schuss bringen und ihren Kindern Geld für Essen schicken. Es stimmt, die großen Probleme, die gibt es zu Hause in Rumänien und Bulgarien. Dort ist Hilfe am effektivsten. Solange die Hilfe dort aber nicht ankommt, solange kommen die notleidenden Menschen hierher, und solange muss ihnen hier auch geholfen werden.“

Am Freitag begann in Stockholm eine Konferenz, auf der künftige Hilfseinsätze für verarmte Rumänen und Bulgaren besprochen werden sollen. Etwa 200 Teilnehmer von schwedischen Behörden, Gemeinden und Organisationen, sowie Vertreter aus Rumänien und Bulgarien nehmen daran teil. Erst in dieser Woche hat die Regierung mit Bulgarien ein Abkommen über Hilfsprogramme abgeschlossen . Mit Rumänien besteht bereits seit Sommeranfang ein ähnliches Abkommen.

Der Regierungsbeauftragte für notleidende EU-Migranten, Martin Valfridsson, betonte am Freitag, dass er niemanden, der einem Bettler Geld in den Becher werfe, kritisieren wolle:

„Ich will eher darauf aufmerksam machen, wie das Geld am besten verwendet wird. Langfristig bringt es mehr, wenn damit in den Herkunftsländern der Arbeitsmarkt, die Bildungssituation oder die allgemeine Gesundheitslage verbessert werden.

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade ljud i menyn under Min lista