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Diesen Brief hat Staatsanwältin Tora Holst nicht geschrieben (Foto: Screenshot SVT/Anders Wiklund / TT)
Propagandakrieg

Russische Trolle ärgern Schweden

„Irgendwo in der russischen Regierung hat dies jemand befohlen“
4:17 min

Im russischen Fernsehen kursiert ein gefälschter Brief mit offiziellem Briefkopf der Regierung. Es geht um vermeintliche Kriegsverbrechen in der Ukraine. Schwedische Experten vermuten gezielte Desinformation von russischer Seite. Das sei bei weitem kein Einzelfall so die Experten.

 

Aufgetaucht war das Dokument zuerst in einem Blogg zu Militärfragen in Pakistan. Richtige Verbreitung erfuhr es aber erst, als User in der Abteilung für Graswurzel-Journalismus des amerikanischen Nachrichtensenders CNN darauf aufmerksam wurden. Dann wurde das Dokument im russischen Staatsfernsehen veröffentlicht.

Es handelt sich um einen Brief auf Papier der schwedischen Regierung, angeblich geschrieben von Tora Holst, der leitenden Staatsanwältin für internationale Angelegenheiten. Das Dokument spiegelt vor, dass der schwedischen Regierung daran gelegen sei, die Ermittlungen gegen einen aus Schweden stammenden Mann wegen Kriegsverbrechen in der Ukraine einzustellen oder im Sande verlaufen zu lassen.

Falsches Briefpapier

Der Tageszeitung Svenska Dagbladet erklärt Tora Holst, dass es zwar Ermittlungen gebe, aber nichts von dem was in dem Brief stünde, würde darüber hinaus der Wahrheit entsprechen. Sie habe diesen Brief nicht geschrieben. Sie würde auch nicht auf dem Briefpapier der Regierung schreiben, sondern auf dem der Staatsanwaltschaft.

Für Lars Nycander von der Hochschule der Streitkräfte liegt der Fall klar auf der Hand: Es handele sich um ein klassisches Beispiel von Desinformation durch Russland und sei schon häufiger vorgekommen, so Nycander im Schwedischen Fernsehen. Ziel sei es, Schweden in einem schlechten Licht darzustellen und die Meinung in Russland zu beeinflussen, dass eine Konspiration des Westens gegen Russland laufe.

Russischer Auftrag

Lars Nycander über den Absender des Briefes: „Irgendwo in der russischen Regierung hat dies jemand befohlen“, so der Experte. Björn Palmertz ist Experte für Informationskriegsführung an der Hochschule der Streitkräfte. Er erklärt Radio Schweden den Ablauf

„Diese Informationen werden meines Wissens über neue User-Identitäten im Internet in unterschiedlichen Foren verbreitet. Diese Identitäten haben kaum Geschichte oder Hintergrund, deshalb ist es schwer zu sagen, wer dahinter steckt. Die Informationen werden auch geographisch an verschiedenen Orten veröffentlicht. Das macht eine Analyse noch schwieriger. Das macht es auch den Lesern schwierig zu entscheiden, ob das wahr oder falsch ist.“

Kein Einzelfall

Bereits im Februar hatte es einen ähnlichen Fall mit einem Brief gegeben, der angeblich von Verteidigungsminister Peter Hultqvist geschrieben wurde. Auch damals hat man von schwedischer Seite schnell dementiert. Eigentlich könne man derartige Desinformation sehr leicht enttarnen, meint Björn Palmertz.

„Man muss so schnell wie möglich die korrekten Informationen zu dem Fall veröffentlichen und darstellen, warum das nicht wahr ist. In dem aktuellen Fall gibt es mehrere Fehler in dem Brief. Auf diese Art schreiben schwedische Behörden einfach nicht. Und die vermeintliche Autorin hat ja bestätigt, dass sie diesen Brief nicht geschrieben hat. Das ist ganz klar eine Fälschung.“

An die eigene Bevölkerung

In den Augen von Lars Nycander hat der Brief jedoch bereits seinen Zweck erfüllt, weil er der russischen Öffentlichkeit präsentiert wurde: „Der Zweck ist, dass man sich hauptsächlich an die russische Bevölkerung richtet und deutlich macht, dass Schweden die Ukraine unterstützt. Und dass die Ukraine Russland gegenüber feindlich gesonnen ist. Und dass der Westen einen Geheimplan gegen Russland hat.“

Für Palmertz müsse man die Aktion auch vor dem Hintergrund der Debatte sehen, ob Schweden der Nato beitreten solle. Von russischer Seite wurden in diesem Fall „Gegenmaßnahmen“ angedroht.

Ob Russland mit dieser Art von Desinformation den erwünschten Erfolg hat, kann Lars Nycander nicht sagen: „Wir wissen es nicht genau, aber es gibt eine enorme Kampagne, vor allem in den sozialen Medien mit Internettrollen und mit dieser Art von gezielter Beeinflussung.“

Nina Startseva/Dieter Weiand

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