Allan Kamal und sein Schulkamerad Josef aus der Shamrock (Foto: Filip Jakobsson / Sveriges Radio)
Land und Leute

Kinder, ab in die Schären

"Ich bin mir nicht sicher, ob da auch Leute wohnen"
3:32 min

Die Stockholmer Schären sollen bunter werden.

Für Touristen ist das Inselreich vor der schwedischen Hauptstadt ein selbstverständliches Ausflugsziel. Weite Teile der Stockholmer Bevölkerung aber bekommen das Archipel so gut wie nie zu Gesicht. Die „Stiftung Schären“ will dies mit speziellen Ausflugstouren ändern.

Auf dem Schoner in die Schären

Sachte tuckert der hundert Jahre alte Zweimaster „Shamrock“ durch die Stockholmer Bucht. Nicht weit entfernt sind schon die ersten Inseln mit den typischen Granitformationen auszumachen. „Skärgården“ ist ein gegebenes Ausflugziel für Touristen aus Schweden und dem Ausland. Viele Besucher haben dabei mehr von dem Inselreich gesehen als so mancher Stockholmer. Und eben die hat die Shamrock mit an Bord. 

Allan Kamal ist elf Jahre alt und besucht heute erst zum zweiten Mal in seinem Leben das berühmte Archipel mit schätzungsweise 24.000 Inseln. Gegenüber Radio Schweden erklärt er, was die Schären für ihn sind. „Das ist ein Platz, an dem es nicht so viele Gebäude gibt. Mit viel Wald und Meer, und nicht so vielen Menschen. Ich bin mir nicht sicher, ob da auch Leute wohnen.“

Für Kinder, die sonst nie raus kommen

Allan und seine Klasse besuchen die Schären im Rahmen des Projekts „Ausbildungsplatz Schären“. Die Initiative richtet sich an Kinder aus Stockholmer Vororten wie Vällingby, Tensta oder, wie in Allans Fall, Hagsätra. Laut der Projektleiterin Sandra Löfgren gilt es, diesen Kindern, die sonst keine Auffassung von dem Archipel haben, mehr Wissen über die Inseln und das Meer zu vermitteln.

„Hier geht es vor allem um Kinder, die ansonsten kaum Zugang zu den Schären haben. Kinder, die noch nicht lange in Schweden sind. Kinder mit Körperbehinderung, für die ein solcher Ausflug ansonsten sehr umständlich wäre. Diese Kinder müssen erfahren, dass es die Schären da draußen gibt und dass dieser für alle da ist. Sonst wird es hier irgendwann nur noch alte bärtige Angler geben, und das wäre ja langweilig.“

"Exportreife Destination" Schären

In den Förderpaketen, die die Stadt Stockholm für die Inselgruppe entwickelt hat, haben Vorortkids bislang nur wenig Beachtung gefunden. Vor einigen Jahren schon hat das offizielle Fremdenverkehrsamt das Archipel als „exportreife Destination“ ausgemacht, sprich: Internationaler Tourismus soll stärker angelockt werden. Seitdem hat sich einiges getan in dem geruhsamen, teilweise schläfrigen Alltag der Archipelgewässer. Gourmet-Restaurants sind auf so manch entlegener Klippe entstanden. Neue Bootverbindungen sorgen für schnelleren Zugang für Tagesausflügler. Ins Auge stechen auch abenteuerliche Eventpakete wie Schiffswrack-Touren oder Wassermotorrad-Safaris.

Dass die „Stiftung Schären“ sich nun darum kümmert, dass die Lokalbevölkerung im großen Tourismusgeschäft nicht zu kurz kommt, freut den Kapitän der „Shamrock“. Leif Franzén befährt seit 60 Jahren schon die Meere und nennt es eine Ehrenaufgabe, einer neuen Generation die Schönheiten des Stockholmer Archipels näher zu bringen.

„Dies ist ein phantastisches Naturerlebnis, und viel mehr Menschen verdienen es, an diesem teilzuhaben“, so Kapitän Franzén, und gibt seinen jungen Matrosen Anweisungen zum Segelhissen.

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