Attefallshus ställs ut på Norrmalmstorg i Stockholm. Foto: Claudio Bresciani/TT
Wieviele Studenten gehen in ein Attefall-Haus Foto: Claudio Bresciani/TT
Wohnungsmarkt

Gartenhäuschen sollen Wohnungsnot lindern

4:32 min

In Folge des eklatanten Wohnungsmangels in den schwedischen Großstädten werden Gartenhäuschen zu begehrten Wohnobjekten.

Die sogenannten Attefall-Häuser dürfen ohne Baugenehmigung auf dem eigenen Grundstück aufgestellt werden. Schwedische Baufirmen nutzen nun diesen rechtlichen Schlupfwinkel, um Wohnflächen ohne Rücksicht auf die ansonsten geltenden bürokratischen Auflagen zu verdichten. Der Stockholmer Bauherr Kenta Sjögren erklärt, wie das Prinzip funktioniert.

„Hat man die Baugenehmigung für ein Doppelhaus, so kann man noch ein Attefall-Häuschen ohne Weiteres dazu bauen. Damit hat man drei Gebäude, und das ist die Mindestanzahl, um eine Wohngenossenschaft zu gründen. Es geht hier darum, leerstehende Flächen besser zu nutzen. Sicher, die Nachbarn sind da häufig anderer Ansicht. Alle wollen, dass mehr gebaut wird, aber eben nicht in ihrer Nähe.“

Gartenhäuser zu je 20 Quadratmeter

Kenta Sjögren führt den Reporter auf das Baugrundstück im Stockholmer Stadtteil Bromma. Ein älteres Einfamilienhaus mitsamt Obstgarten wurden hier entfernt. Jetzt stehen zwei Doppelhäuser mitsamt großzügigen Dachwohnungen, und eben zwei Gartenhäuschen zu je 35 Quadratmeter inklusive Dachboden. Seit vergangenem Jahr dürfen Hausbesitzer die Hütten, benannt nach dem früheren Wohnungsbauminister Stefan Attefall, ohne Baugenehmigung auf ihrem Grundstück errichten. Etwa als Gästehaus, als eigene Bude für die erwachsenen Kinder oder auch zur Vermietung.

In Göteborg, Malmö, Uppsala und Stockholm herrscht enormer Druck auf den Wohnungsmärkten; die Attefall-Gartenhäuschen könnten für viele verzweifelte Wohnungssuchenden zur Rettung werden. Mehrere Baufirmen sind dazu übergangen, die Häuschen als eigenstehende Wohnobjekte zu verkaufen. Das in Schweden übliche Modell der Wohngenossenschaften macht es möglich: Hier sind die Inhaber nicht direkte Eigentümer des Wohnobjekts, sondern kaufen einen Anteil an der Wohnvereinigung, was in diesem Fall also anstatt einer Wohnung ein Attefall-Haus wäre.

„Klar, die Nachbarn hätten lieber nur zwei kleinere Häuser hier gehabt“, so Bauunternehmer Sjögren. „Ich persönlich finde es besser, dass nun sechs Wohneinheiten statt nur zwei hier bezogen werden können. Diese Entwicklung ist gut und notwendig für die Stadt. Aber ich verstehe auch die Nachbarn, die am liebsten nur Gärten mit Apfelbäumen um sich herum haben. Aber so läuft es eben nicht mehr.“

Kritische Stimmen nur spärlich zu hören

Kritische Stimmen zu dem Gartenhäuschen-Trend sind nur spärlich zu hören. Zu umfassend ist die Wohnungsnot in den Großstädten. Von einem funktionierenden Mietmarkt kann nicht mehr die Rede sein; Stockholm ist zum Käufermarkt geworden, und viele sind bereit, sich Dank billiger und steuerlich geförderter Kredite bis über beide Ohren zu verschulden. Bei Sjögrens neuen Häusern in Bromma lagen bereits die ersten Gebote um ein Zehntel über dem Ausgangspreis bei etwa 800.000 Euro für 130 Quadratmeter. Und auch die Gartenhäuschen lässt sich der Bauherr gut bezahlen: Etwa 200.000 Euro kostet das Eigenheim im Miniaturformat.

Bei kritischen Anwohnern macht sich angesichts dieser Entwicklung eine gewisse Hilflosigkeit breit. In Schweden gilt ansonsten ein weitreichendes Einspruchsrecht bei jeglicher Flächenverdichtung. Bis der erste Spatenstich nach allen Überprüfungen und Einsprüchen gesetzt werden kann, vergehen nicht selten bis zu zehn Jahre. Bei den Attefall-Häusern hingegen, sofern sie Regelkonform aufgestellt werden, stehen die Nachbarn schlichtweg vor vollendeten Tatsachen.

„Das ist wirklich nicht in Ordnung! Diese Häuser sind viel zu hoch und passen einfach nicht zu der Umgebung hier“, sagt ein Anwohner in Bromma, Lennart Hammar. „Die Stadtverwaltung hätte sich diese Gebäude mitsamt der Attefall-Häuser näher ansehen sollen. Es ist schon seltsam, dass die Stadt hier eine Baugenehmigung erteilt hat.“

Zukunft unklar

Ob die Gartenhäuschen wirklich ein fester Bestandteil des Wohnungsmarkts werden, muss sich aber noch zeigen. Studentenvereinigungen und überhaupt junge Leute könnten künftig auf die Attefall-Häuser ausweichen. Bislang gibt es aber nur einige wenige Wohngenossenschaften in Huddinge südlich von Stockholm und eben in Bromma, in denen die Wohnhütten als separate Objekt verkauft wurden.

Ola Månsson von der Interessenorganisation der schwedischen Baubranche begrüßt jedenfalls die Entwicklung: „Für dichtbesiedelte Gebiete könnte das eine gute Lösung sein. In Stockholm, Göteborg und Malmö. Aber auch Uppsala, wo es eine lange Tradition gibt, Anbauten an Studenten zu vermieten.“

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