Trafikpolis i aktion / Foto: Fredrik Sandberg. TT
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Automobilclub warnt

Chaos auf Schwedens Straßen?

3:19 min

Die Zahl der Polizisten in Schweden, die sich ausschließlich mit dem Straßenverkehr beschäftigen, ist in den vergangenen Jahren dramatisch gesunken. Dies stellt der Automobilclub (Motormännen) fest und macht gleichzeitig desolate Zustände auf Schwedens Straßen aus.

Der Verband Motormännen spricht von einem Verkehrsfiasko. Auf den Straßen herrsche eine Art Chaos. Verkehrsteilnehmer, die sich mehr mit dem Handy als mit dem Verkehr beschäftigen, die zu schnell fahren, die nicht blinken oder gar mit Alkohol am Steuer unterwegs seien. Motormännen hat auch andere Organisationen befragt und meist die gleiche Antwort erhalten, wie etwa vom Verband der Schwedischen Motorradfahrer (SMC): Den Verkehrsregeln wird in Schweden immer weniger nachgekommen.

Motormännen macht dabei einen Hauptursache aus: In Schweden gibt es immer weniger Verkehrspolizisten. Waren es 1980 noch 1.800 gewesen, konnte der Automobilclub in diesem Sommer gerade mal 374 Beamte im Einsatz auf den Straßen zählen. Für Fredrik Daveby ist der Fall klar:

„Weniger Verkehrspolizisten führen dazu, dass die Verkehrsregeln weniger eingehalten werden,“ so der Vorsitzende von Motormännen im Schwedischen Fernsehen. Gleichzeitig hat die schwedische Straßenverkehrsbehörde massiv Geschwindigkeitskameras aufgestellt und in großen schwedischen Häfen, wenn Auto- und Lastwagenfahrer von den Fähren kommen, gibt es automatische Alkoholkontrollen. Das alles ersetze vor allem in einem großflächigen Land wie Schweden nicht die Anwesenheit von Polizisten auf den Straßen, so Fredrik Daveby:

„Es ist wichtig, dass wir Polizisten haben, die sich dem Verkehr widmen. Die Arbeit für die Verkehrssicherheit kann nicht so nebenbei betrieben werden.“

Aufgabe aller Polizisten?

Göran Bolinder ist Chef der Verkehrspolizei in Stockholm. Er erklärt, dass eigentlich alle Beamten die Aufgabe haben, sich dem Verkehr zu widmen. Von einer Vernachlässigung des Verkehrs könne keine Rede sein: „Das tut es auch nicht. In unserer Organisation haben alle den Auftrag, dass sie sich mit der Verkehrssicherheit beschäftigen sollen.“

Die Zahl der Verkehrstoten ist in den vergangenen Jahren in Schweden gesunken. Die Experten machen dafür jedoch hauptsächlich den höheren Sicherheitsstandard der Autos sowie besser ausgebaute Straßen als Ursachen aus.

Weniger Alkoholkontrollen

Die Umstrukturierung der Polizei hat unterdessen dazu geführt, dass es noch weniger Verkehrspolizisten gibt. So hat auch die Zahl der Alkoholkontrollen in den letzten Jahren um ein Viertel abgenommen und mit ihnen die Zahl der verfolgten Fälle. Für den Geschäftsführer des Verbandes der Abstinenzler im Straßenverkehr (MHF), Göran Sydhage, ein Unding und Resultat weniger intensiver Polizeiarbeit:

„Alkoholkontrollen sind ja eine Art Ermittlungsarbeit. Wenn man nicht ermittelt, findet man auch keine Täter. Wir gehen davon aus, dass in Schweden jede Stunde 525 Menschen unter Alkoholeinfluss fahren. Das sind zu viele.“

Und auch Göran Bolinder räumt ein, dass die sinkenden Zahlen von Alkoholkontrollen ein schlechtes Zeugnis sind: „Das ist wohl nicht so gut, dass wir weniger Alkoholkontrollen haben. Deshalb soll jeder Polizist, der ein Auto anhält, auch eine Alkoholkontrolle durchführen.“

Die Präsenz der Polizei auf Schwedens Straßen wird sich dadurch jedoch nicht erhöhen.

Thomas Jonasson (SVT)/Dieter Weiand

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