Röd huslänga med en gungställning framför.
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Der Weg nach Åsele ist weit - egal woher (Foto: Eva Brännman/Sveriges Radio)
Katrin Wicén.
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Katrin Wicén leitet das Heim für minderjährige Flüchtlinge ohne Begleitung in Åsele (Foto: Eva Brännman/Sveriges Radio)
Röd huslänga med en gungställning framför.
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Die Einrichtung Frösunda in Åsele bietet Ruhe und Geborgenheit (Foto: Eva Brännman/Sveriges Radio)
Hintergrund - Flüchtlinge

Von Afghanistan nach Åsele

2:56 min

In Schweden haben in den vergangenen zehn Wochen nach Angaben der Tageszeitung Dagens Nyheter 28.000 Menschen Asyl beantragt. Eine Herausforderung ist dabei, die Flüchtlinge über das Land zu verteilen. Die Großstädte sind überfüllt und in der von Landflucht geprägten Provinz sind die Möglichkeiten häufig begrenzt.

In absoluten Zahlen haben die Regionen um Göteborg, Malmö und Stockholm die meisten Flüchtlinge aufgenommen. Doch immer mehr Menschen werden in die dünn besiedelten Regionen vor allem in Nordschweden geschickt. Wie Davood Rezai, der minderjährig ohne Erziehungsberechtigte aus Afghanistan nach Schweden gekommen war. Als er dann zu Beginn des Sommers nach Åsele in der nordschwedischen Provinz Västerbotten geschickt wurde, war das erst einmal ein Schock für ihn.

„Zuerst habe ich hier nur Wald gesehen. Aber so langsam sehe ich, dass es hier Menschen, Häuser und Wohnungen gibt. Jetzt gefällt es mir hier sehr“, erzählt der 16-jährige Davood auf Schwedisch dem Schwedischen Rundfunk.

80 km zur Schule

Nicht einmal 3.000 Einwohner zählt Åsele. Hier kennt jeder jeden. Es gibt viel Wald und wenig Verkehr. Davood geht in Lycksele zur Schule. Das liegt 80 Kilometer weit weg, mit dem Bus. Es ist auch weit zum Krankenhaus. Den Dolmetscher gibt es nur über Telefon. Und zur Provinzhauptstadt Umeå sind es gar 150 Kilometer.

Doch Davood sagt, es sei leicht hier, zu lernen und an seine Zukunft zu denken. Er möchte IT-Techniker werden und noch besser schwedisch lernen. Er wohnt zusammen mit 23 anderen jungen Männern aus Afghanistan, Irak und Eritrea. Die Psychologin Katrin Wicén leitet das Heim. Sie war früher in Stockholm, sagt aber, dass hier alles viel einfacher sei. Der persönliche Kontakt mit anderen Behörden ist einfacher. Das mache es auch möglich, den geflohenen Minderjährigen etwas Geborgenheit zu bieten, so Wicén:

„Ich weiß und sehe, dass sie traumatisiert sind, müde und traurig. Wenn sie abends zu Bett gehen, sollen sie wissen, wie es am nächsten Tag weitergeht. Das fördert ihre psychische Erholung. Sie brauchen Geborgenheit und Alltagsroutinen.

Es gibt Wohnraum

Die Voraussetzungen dafür scheinen in Åsele gegeben zu sein. Auch gibt es keinen Mangel an Wohnraum, so Bürgermeister Brage Sundberg: „Wir können noch mehr Flüchtlinge aufnehmen. Die Mitmenschlichkeit gebietet, anderen Menschen zu helfen. Man sieht schnell ein, dass wir in der gleichen Welt leben, wir sind nur in unterschiedlichen Orten gelandet, wo die Voraussetzungen auch unterschiedlich sind.“

Unterschiedliche Voraussetzungen gibt es auch innerhalb Schwedens. Bei aller Geborgenheit ist es auf dem Land dann meist schwer, eine Berufsausbildung oder einen Arbeitsplatz zu finden.

Prozentual am größten ist der Zuwachs an aufgenommenen Flüchtlingen in mittelgroßen Städten und Kommunen wie Eskilstuna, Enköping und Norrköping. Die Debatte um eine gleichmäßigere Verteilung der Flüchtlinge und dem Veto der Kommunen zur Aufnahme ist in Gang. Eine Lösung gibt es noch nicht.

Eva Brännmann/Dieter Weiand

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