Mona Sahlin. Foto: Paulo Saka/SR
Schwedens Sonderbeauftragte gegen gewaltbereiten Extremismus, Mona Sahlin. (Foto: Paulo Saka/Sveriges Radio)
Hintergrund – Islamismus in Europa

Gute Noten für Schwedens Arbeit mit Extremisten

3:33 min

Frankreichs Premierminister Manuel Valls hat bei seinem Besuch in Stockholm die schwedische Expertise im Umgang mit religiösem Extremismus gelobt.

Es werde eine weitere Zusammenarbeit mit Schweden in diesem Bereich geben, erklärte Valls im Anschluss an das Gespräch mit Ministerpräsident Stefan Löfven am Freitag. Bei seinem Besuch informierte sich der französische Premier auch über die Arbeit der Sonderbeauftragten gegen gewaltbereiten Extremismus in Schweden. Dort geht die Arbeit jedoch nur schleppend voran.

Es ist erst wenige Wochen her, da verzeichnete die Sonderbeauftragte gegen gewaltbereiten Extremismus, Mona Sahlin, ihren ersten Erfolg im Bereich religiöser Fanatismus: Ein 17-Jähriger, der sich in Syrien dem so genannten Islamischen Staat angeschlossen hatte, bekannte öffentlich Reue und wandte sich deutlich von der Terrormiliz ab. Damit ist der junge Mann aus Südschweden der erste offizielle islamistische Aussteiger des Landes.

„Wir waren nur im Hintergrund"

Die Zeitung Svenska Dagbladet hatte berichtet, die Sonderbeauftragte habe sich für die Heimkehr des 17-Jährigen eingesetzt. So weit will Kanzleisekretär Daniel Norlander jedoch nicht gehen. Gegenüber Radio Schweden erklärte er: „Wir haben dem Jungen nicht konkret geholfen, sondern den Adressen, die für gewöhnlich zuständig sind: Polizei, Familie und das Außenamt, das sich um die operativen Aspekte kümmert. Wir waren eher unterstützend im Hintergrund."

Im August vergangenes Jahr trat die Sonderbeauftragte ihre Stelle an, eingesetzt noch im Auftrag der bürgerlichen Vorgängerregierung. In der Zwischenzeit hat die Behörde von Rot-Grün weitere Sondermittel erhalten, um die Arbeit voranzutreiben. Vor allem konzentriert sich die Sonderbeauftragte darauf, die Kommunen mit ins Boot zu holen - schließlich sind zumal minderjährige ehemalige IS-Interessierte auch Fälle für die jeweiligen Sozialämter.

Vorarbeit zur Hotline für besorgte Angehörige

Im Auftrag des schwedischen Parlaments ist ausdrücklich nur von der Arbeit auf nationalem und lokalem Niveau die Rede, genauso wie auf der Homepage der Sonderbeauftragten. Dass die Behörde nun aktiv eingeschritten ist, um mutmaßliche Aussteiger aus in diesem Falle Syrien nach Schweden zu bringen, scheint demnach ungewöhnlich. Nicht jedoch für Kanzleisekretär Norlander.

„Es liegt im Rahmen unseres Auftrags, da wir hauptsächlich die Familie des Jungen unterstützt haben. Wir sollen ja Angehörigen zur Seite stehen, weshalb wir auch in einigen Wochen eine landesweite Hotline einrichten werden. Dafür ist unsere Tätigkeit im Fall des 17-Jährigen als eine Art Vorbereitung zu sehen."

Exit ja, aber noch nicht jetzt

Immer wieder war im Zusammenhang mit der Arbeit der Sonderbeauftragten Schwedens erfolgreiches Projekt Exit genannt worden, das in den 1990er Jahren Neonazis beim Ausstieg aus dem braunen Umfeld half. Im Februar dieses Jahr schrieb Mona Sahlin etwa in einem Artikel für die Zeitung Expressen, sie wolle Aussteigerprogramme für gewaltbereite Extremisten entwickeln - unter anderem mit Hilfe der Kompetenz bei Exit. Darauf angesprochen, scheint die Behörde im September noch nicht viel weiter gekommen zu sein.

„Ich sehe ein, dass der Gedanke nahe liegt", erklärt Sahlins enger Mitarbeiter Daniel Norlander. „Aber das liegt natürlich noch in ferner Zukunft. Ich gebe aber gerne zu, dass es rein strategisch für Schweden sehr wichtig ist, dass wir nun unseren ersten Aussteiger in diesem Bereich haben, der sagt: Ich habe Fehler gemacht, die ich bereue, ich nehme meine Strafe an und setze mich dafür ein, dass sich andere nicht dem IS anschließen. Natürlich braucht es aber auch professionelle Akteure."

Reden in Schweden

Einer der führenden Terrorismus-Experten Schwedens, Magnus Ranstorp, hatte das Niveau schwedischer Islamismus-Bekämpfung schon vor einiger Zeit als „Kindergarten" bezeichnet. In Dänemark sei man viel weiter im Kampf gegen die Radikalisierung - auf Universitätsniveau nämlich, so Ranstorp in der Zeitung Svenska Dagbladet.

In Kopenhagen leitet er die Expertengruppe zur systematischen Präventivarbeit. Jegliche methodische Vorgehensweise in diesem Bereich fehle jedoch in den schwedischen Großstädten, bemängelte der Experte. In Schweden würde man „nur diskutieren".

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade ljud i menyn under Min lista