Kaj Larsson, Vorsitzender des IFK Värnamo. (Foto: Alexandra Svedberg / Sveriges Radio)
Kaj Larsson, Vorsitzender des IFK Värnamo. (Foto: Alexandra Svedberg / Sveriges Radio)
Hintergrund – Fussball

Grober Wettbetrug im schwedischen Fußball

3:42 min

Dem offenbar verbreiteten Wettbetrug im schwedischen Profifußball soll das Handwerk gelegt werden.

Am Dienstag beginnt vor dem Amtsgericht Kristianstad der Prozess gegen ein kriminelles Netzwerk, das systematisch Fußballspieler bedroht und bestochen haben soll. Der Schwedische Sportverbund legt große Hoffnungen in den Prozess:

„Zum ersten Mal in einem Rechtsprozess sind Personen angeklagt, die auf allen Ebenen der Spielmanipulation stehen“, so Johan Claesson, Jurist beim Sportverbund, im Schwedischen Rundfunk. „Eine Person auf höchster Ebene, die den Betrug initiiert. Eine Kontaktperson, die sich an die Spieler wendet. Und die Fußballer selbst. Besonders bei diesem Fall ist auch, dass ein betroffener Spieler es gewagt hat, das Schweigen zu brechen.“

Rote Karten und Elfmeter forciert

Konkret geht es in dem Rechtsprozess um einen Betrugsskandal beim Zweitligisten IFK Värnamo. Drei Spieler sind der Bestechung angeklagt. Sie sollen in mehreren Begegnungen den Spielverlauf manipuliert haben, den Verlust der eigenen Mannschaft forciert, bewusst rote Karten und Elfmeter herbeigeführt haben.

Einer der Spieler hat der Polizei den Betrug gestanden und dabei von dem umfassenden Druck berichtet, unter den die Spieler jahrelang gesetzt wurden. Sie seien von den drei angeklagten mutmaßlichen Wettbetrügern massiv angegangen und bedroht worden. Unter anderem hätten die Männer Todesdrohungen gegen die Familien der Spieler gerichtet, sollten sie nicht bei dem Wettbetrug mitmachen. Als der Zweitligist dann trotz aller Manipulationsversuche ein Spiel gewann, sollen die Spieler gezwungen worden sein, je 5.000 Euro als Entschädigung zu zahlen.

Verbreiteter Betrug

In der Wettszene sind die drei Angeklagten keine unbeschriebenen Blätter. Einer der Männer war zuvor schon wegen Betrugsversuchen angeklagt, allerdings aber freigesprochen worden. Das Urteil ging in Berufung und wird demnächst vor dem Oberlandesgericht aufgenommen. Ein weiterer Angeklagter ist bereits wegen Wettbetrugs in Norwegen verurteilt worden. Auch bei diesem Urteil wurde Berufung eingelegt.

Kaj Larsson, Vorsitzender beim Zweitligisten IFK Värnamo, sagte im Schwedischen Rundfunk, dass diese Art von Betrügereien verbreitet sind in Schweden. „Wir sind inzwischen unglaublich wachsam geworden. Die Spieler sind informiert, wie sie sich verhalten sollen, wenn verdächtige Personen hier bei uns auftauchen und sie angehen. Ich glaube, dass dies ein weit verbreitetes Problem im schwedischen Fußball ist. Weitaus schlimmer, als viele glauben.“

Zu viele Wettmöglichkeiten

Im Profifußball lässt sich ein Spielstand zwar nicht so ohne Weiteres nach Gutdünken zurechtbiegen. Im heutigen Wettsystem geht es aber um weitaus mehr als nur um den Endstand. Wettbegeisterte können auf jedes noch so detaillierte Spielmoment ihr Geld setzen. Die Zahl der geschlagenen Ecken während eines Spiels etwa. Oder wie viele gelbe Karten während einer Begegnung verteilt werden. Wettbetrügern bietet sich hier ein weites Feld.

Laut Johan Claesson vom Schwedischen Sportverband reicht es daher auch nicht aus, einige Betrüger vor Gericht zu verurteilen. Auch die Wettbranche müsse stärker in die Verantwortung genommen werden. „Wir beim Sportverband versuchen auf die seriösen Wettbüros in Schweden einzuwirken, dass sie Wetten in Ligen, in denen nicht auf Eliteniveau gespielt wird, nicht mehr zulassen. Welche Ligen davon betroffen wären, muss der Fußballverband selbst bestimmen. In den unteren Divisionen verdienen viele Spieler nur wenig Gehalt mit ihrem Sport. So mancher kommt dann eher in Versuchung, Geld für eine Manipulation anzunehmen.“

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