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Reporter Viktor Åsberg vom Schwedischen Rundfunk SR zieht ins Heim für Asylbewerber in Helgum bei Sollefteå in Schweden ein. Foto: Sveriges Radio
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Reporter Viktor Åsberg mit der Grundausstattung im Heim für Asylbewerber (Foto: Sveriges Radio)
Grosse Wohltätigkeitsgala im schwedischen Fernsehen, die Kinder des Heims Vintergården in Helum sitzen auf der Tischtennisplatte vor dem Bildschirm. (Foto: Sveriges Radio)
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Galavorstellung im Fernsehen, die Kids hocken auf der Tischtennisplatte vor dem Bildschirm (Foto: Sveriges Radio)
Vintergårdens asylboende i Helgum utanför Sollefteå. Foto: Viktor Åsberg/SR
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Vintergården, Heim für rund 80 Asylbewerber in Helgum bei Sollefteå (Foto: Viktor Åsberg/Sveriges Radio)
Viktor Åsberg im Gespräch mit Bewohnern von Vintergården (Foto: Sveriges Radio)
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Viktor Åsberg im Gespräch mit Bewohnern von Vintergården (Foto: Sveriges Radio)
Josef 11 år bor med mamma och syskon på asylboendet. Foto: Viktor Åsberg/SR
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Josef teilt das Zimmer mit seiner Mutter, den Geschwistern und einer fremden Frau (Foto: Viktor Åsberg / Sveriges Radio)
Der Koch Ahmad Karban ist selbst als Flüchtling nach Schweden gekommen und weiss, dass er ein gutes Vorbild für die Heimbewohner ist. Foto: Pether Öhlén/SR
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Der Koch Ahmad Karban ist selbst als Flüchtling nach Schweden gekommen. Er weiss, dass er ein gutes Vorbild ist. (Foto: Pether Öhlén/Sveriges Radio)
Kakor att mumsa på till sändningen av "Hela Sverige skramlar". Foto: Sveriges Radio
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Für einem Festabend stellt das Küchenpersonal auch schon mal Gebäck her Foto: Sveriges Radio
Vintergårdens asylboende i Helgum utanför Sollefteå. Foto: Viktor Åsberg/SR
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Vintergården, die Rückseite (Foto: Viktor Åsberg / Sveriges Radio)
Viktors säng på asylboendet i Helgum utanför Sollefteå. Foto: Viktor Åsberg/SR
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Viktor Åsbergs Bett im Heim für Asylbewerber (Foto: Viktor Åsberg / Sveriges Radio)
Die schwedischen Behörden haben die Geschwister Mustafa und Shahed Gaweesh, 20 und 11 Jahre, sind aus Versehen ins Heim Vintergården bei Solefteå in Nordschweden geschickt (Foto: Sveriges Radio)
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Die Geschwister Mustafa und Shahed Gaweesh hat die Behörde aus Versehen nach Vintergården geschickt (Foto: Sveriges Radio)
Viktor Åsberg spelar pingis på asylboendet.
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Tischtennis im Aufenthaltsraum (Foto: Sveriges Radio)
Radiotagebuch im Heim für Asylbewerber

Am Anfang ist der blaue Startsack

„Sie weint nachts und möchte unseren Verwandten.“
8:37 min

Wie ist das eigentlich, wenn man als Asylbewerber in ein Heim irgendwo in Schweden eingewiesen wird? Was erlebt man? Wie verständigt man sich? Wie ist die Stimmung unter Menschen, die unter den Anspannungen einer Flucht gelebt haben und nun beschäftigungslos auf den Bescheid einer Behörde warten? Ein Reporter des Schwedischen Rundfunks hat die Woche unter Asylbewerbern im Heim Vintergården in Helgum bei Sollefteå in Nordschweden gelebt.

”Willkommen im Vintergården in Helgum!” begrüßt Camilla Holmberg den neuen Bewohner und zeigt ihm die Einrichtung. „Bevor Sie einziehen können, müssen Sie warten, bis die anderen in Ihrem Zimmer aufgewacht sind. Sie bekommen eine Decke, Kissen und Laken und ein Handtuch. Wir nennen das den blauen Startbeutel. Wenn man mehr Kleidung braucht, als man mit hat, bekommt man etwas aus dem Vorrat, den Freiwillige bei uns abgegeben haben. Dort finden wir bestimmt auch etwas für Sie.“

Blauer Startsack

Mitgebracht hat Viktor Åsberg ungefähr das, was Flüchtlinge so bei sich tragen: Zahnbürste, ein paar Unterhosen und in seinem besonderen Fall auch ein Aufnahmegerät. Was ihn in Vintergården erwartet, weiß er nicht. Er fühlt sich unsicher und alleingelassen, nimmt sich aber zusammen.

„Hello! Nice to meet you!“ grüßt er die Männer mit denen er Zimmer Nummer 11 teilt. Er wohnt mit Mohamed, Mohamed und Mohamed. Mohammed Nummer 1 ist gerade aufgewacht. Mohammed Nummer 2 wäscht sich und Nummer 3 ist nicht da, er hat im Heim Vintergården eine Freundin gefunden.

Der ältere Mohammed ist 35 und erzählt, dass er in Syrien Lehrer war. Jetzt möchte er eine Aufenthaltsgenehmigung in Schweden bekommen, Schwedisch lernen, damit er möglichst bald wieder seinem Beruf nachgehen und ein eigenes Zuhause aufbauen kann.

Gemeinschaft

Viktor Åsberg freundet sich allmählich mit seinen 79 Mitbewohnern im Vintergården an. Das ehemalige Seniorenheim besteht unter anderem aus 12 kleinen Wohnungen, die alle von einem überdachten Innenhof, dem Wintergarten, abgehen. Außerdem besteht das Gebäude von 1983 aus Essenssaal, Küche, Duschen und Waschküche. Von den beiden schwedischen Angestellten hat Viktor Åsberg schon gehört, dass die meisten Flüchtlinge in Vintergården „den WEG“ nach Europa genommen haben. Den gefährlichen Weg über das Meer. Der Journalist ist seit zehn Stunden im Heim und wartet gemeinsam mit den anderen. Wartet darauf, dass es Zeit fürs Mittagessen wird, dass es Abendessen gibt – vermutlich Fleisch und Reis. Um sieben Uhr geht das Personal nach Hause, so viel ist sicher.

Ab in die Schule

Am nächsten Morgen wissen zumindest die Kinder, was sie erwartet und was man von ihnen erwartet: Sie sind mit ihren farbenfrohen Rucksäcken auf dem Weg zur Schule.

Der elfjährige Josef aus Afghanistan ist das Sprachgenie des Heims. Nach neun Monaten hat der Junge gut Schwedisch gelernt. Mit den Syrern spricht er Arabisch, lernt Englisch in der Schule und hat einige Ausdrücke auf Hindi in den Filmen aufgeschnappt, die er im Internet anschaut, sagt er. Josefs Muttersprache ist Persisch.

Josef lädt Viktor Åsberg zu sich ein. Zusammen mit seiner Mutter, einem kleinen Bruder und einer älteren Frau wohnt er in Zimmer Nummer 6. Dort stehen vier Betten an der Wand aufgereiht, alle 90 Zentimeter breit. Josef zeigt, wer wo schläft.

„Leider haben wir kein eigenes Daheim, das ist nicht gut“, fügt das Kind hinzu.

Dann toben Viktor und Josef draußen herum. Unten am Bach zeigt Josef den Steg, auf dem er gerne steht und angelt. Auf die Frage nach seinem Vater wird das Kind still und drückt zwei Finger wie eine Waffe an die Schläfe.

Ein anderer Heimbewohner erzählt, dass Josefs Familie eines Morgens daheim in Afghanistan aufwachte als einige Männer hereinkamen und den Vater mitnahmen. Ob und wo der Vater lebt, weiß seine Familie nicht.

Kriege und Konflikte haben die Familien der Menschen im Vintergården auseinandergerissen, so das wiederkehrende Thema der Erzählungen. Die Gemeinschaft im Heim schafft für manche eine Art provisorischen Familienersatz. Die Zimmertüren stehen oft offen, die Kinder spielen, und die Erwachsenen vertreiben gemeinsam die Zeit.

Falsch geschickt

Die Geschwister Mustafa und Shahed Gaweesh haben sogar Verwandte in Stockholm. Trotzdem sind sie in Nordschweden gelandet.

In der letzten Zeit sind pro Woche ungefähr 1.000 Flüchtlinge pro Tag nach Schweden gekommen. Bei ihrer Verteilung auf Gemeinden im ganzen Land treten durchaus mal Fehler auf.

„Das scheint ein Irrtum zu sein“, sagt der zwanzigjährige Mustafa Gaweeshl. „Wir sind vor einer Woche in Malmö angekommen. Die Einwanderungsbehörde besorgte uns einen Transport mit dem Zug nach Stockholm zu unseren Verwandten. Aber plötzlich waren wir auf dem Weg nach Nordschweden.“

Die Behörde hat mitgeteilt, dass die Geschwister zu ihren Verwandten kommen dürfen, aber dass es etwas dauern kann. Besonders die elfjährige Shahed leide unter der Situation, sagt ihr Bruder.

„Sie weint nachts und sehnt sich nach unseren Verwandten.“

Keine Nachtruhe

Unverhofft kommt oft - auch in Vintergården. Am Abend darauf trifft eine weitere Familie ein. Viktor und die drei Mohammeds bekommen einen weiteren Zimmergenossen. Dagegen hat niemand etwas einzuwenden und bald haben sich alle schlafen gelegt. Aber dann geht es los:

Der „Neue“ ist ein Schnarcher...

Keiner der anderen hat jemals einen so ausdauernden Schnarcher erlebt. Fast die ganze Nacht liegen sie wach.

Unentbehrliche Handys

Gerade die Nächte sind in Vintergården besonders schwer. Es wird zu warm in den voll belegten Zimmern, deren Fenster wegen der Insekten draußen geschlossen bleiben. Viele sind nachts auf und schlafen stattdessen tagsüber, sie haben sowieso nichts zu tun. Morgens um halb vier sitzt ein halbes Dutzend Männer im Aufenthaltsraum mit der Tischtennisplatte. Die Chatfunktionen ihrer Handys klingeln diskret und unablässig.

Nach dem Frühstück und einem Nickerchen erfahren die Männer, dass russische Kampfflieger Homs in Syrien bombardiert haben. Die Asylbewerber aus Syrien erzählen, dass sie den Russen nicht trauen.

„Russland wird nicht nur gegen IS kämpfen sondern auch gegen syrische Rebellen“, sagt Fouad Alkadi. „Russland wird Assad, das syrische Regime, unterstützen.“

An diesem Abend ist der russische Angriff Gesprächsthema Nummer eins.

Wie sagt man das?

„Ett träd“, ein Baum, der Wissensdurst in Vintergården ist groß. Was sagt man auf Schwedisch, auf Englisch, wenn man jemandem einen Stuhl anbietet? Eine Zigarette? Was heißt Milch im Kaffee? Als Asylbewerber hat man in Schweden kein Recht auf Sprachunterricht, den bekommt man erst wenn eine Aufenthaltsgenehmigung erteilt worden ist. Wie soll man sich ohne Sprache zurechtfinden?

Zwei freundliche Schweden bieten mehrmals pro Woche im Gemeindehaus auf der anderen Straßenseite Unterricht an, um zumindest grundlegende Schwedischkenntnisse zu vermitteln. Maj-Lis kommt ein paar Mal in der Woche vorbei und hilft den Jugendlichen in Fragen der schwedischen Bürokratie. Das Porto für einen Inlandsbrief beträgt mindestens sieben Kronen. Bei einem Tagesgeld von 19 Kronen ist das eine teure Notwendigkeit.

Freiwillige Helfer

Rolf wohnt gleich nebenan, er setzt sich jeden Tag um halb zwei auf eine Bank und bleibt mindestens drei Stunden. Die Jugendlichen aus Eritrea warten schon immer auf ihn. Er bringt ihnen die schwedische Satzmelodie bei, sagt Rolf.

„Ich hab noch nie Probleme gehabt mit Leuten zu reden, und an einigen Menschen hier liegt mir wirklich etwas. So ist das eben.“

Aber nicht alle Nachbarn waren gleichermaßen begeistert, als bekannt wurde, dass aus dem ehemaligen Seniorenheim ein Heim für Asylbewerber würde. Bei den vorigen Wahlen war Helgum ein Distrikt, dessen Einwohner besonders negativ zu Einwanderung eingestellt waren. Gut 18 Prozent stimmten für die Schwedendemokraten.

Ängste auf beiden Seiten

Mahdi macht den letzten seiner drei regelmäßigen Spaziergänge heute. Dabei erzählt er, dass die meisten in Vintergården sich für Politik interessieren und wissen, dass fast 20 Prozent der Schweden gegen Einwanderung sind.

Der Weg geht an der Hauptstraße entlang. Viele Häuser stehen hier nicht. Man wird leicht unsicher und hat Angst vor Dingen, die man nicht kennt, sagt Majdi.

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