Der Schwede Tomas Lindahl ist einer der drei Preisträger des Nobelpreises in Chemie 2015. er wird in seinem Labor am Francis Crick institut in London fotografiert. Im Hintergrund halten seine Kollegen das Ereignis mit ihren Handys fest. (Foto: AP Photo/Alastair Grant)
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Während Tomas Lindahl in seinem Labor am Francis Crick Institut in London fotografiert wird, halten seine Kollegen das Ereignis mit ihren Handys fest (Foto: AP Photo/Alastair Grant)
Modell eines DNA-Moleküls während der Bekanntgabe der Preisträger des Nobelpreises in Chemie 2015 durch die Königliche Schwedische Wissenschaftsakademie in Stockholm. Von Links nach rechts: Die Vorsitzende des Nobelkomittes Professor Sara Snogerup Linse, der Ständige Sekretär der Akademie, Göran K. Hansson und das Mitglied des Nobelkomittes Claes Gustafsson.(Foto: Fredrik Sandberg / TT / kod 10080)
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Bekanntgabe der Preisträger des Nobelpreises in Chemie 2015 durch Sara Snogerup Linse, Vorsitzende des Nobelkomitees für Chemie, Göran K. Hansson, Ständiger Sekretär der Akademie, und Komiteemitglied Claes Gustafsson. (Foto: Fredrik Sandberg / TT / kod 10080)

Schwede erhält Chemie-Nobelpreis

Mechanische Studien zur DNA-Reparatur belohnt
4:53 min

Die Verleihung des diesjährigen Nobelpreises für Chemie hat am Mittwochmittag für eine kleine Sensation in Schweden gesorgt. Einer der Preisträger ist der Schwede Tomas Lindahl, seines Zeichens selbst Mitglied der Königlichen Wissenschaftsakademie. Der DNA-Forscher erhält die Auszeichnung gemeinsam mit dem Amerikaner Paul Modrich und dem türkisch-amerikanischen Forscher Aziz Sancar.

„Der diesjährige Preis handelt vom Werkzeugkasten der Zelle zur DNA-Reparatur“, leitete der Ständige Sekretär der Königlichen Wissenschaftsakademie in Stockholm, Göran Hansson, die Begründung der Jury ein. Die Preisträger erhalten die Auszeichnung für ihre mechanischen Studien zur Reparatur des Erbgutes. 

Verhängnisvoll ohne Reparatur

Das Leben, wie wir es kennen, ist vollständig abhängig von der DNA-Reparatur erklärte die Vorsitzende des Nobelkomitees für Chemie, Sara Snogerup Linse. Es wäre verhängnisvoll, wenn die täglich eintreffenden Beschädigungen des Erbgutes nicht behoben werden könnten. Bedroht wird die DNA durch äußere Einwirkungen wie etwa durch UV-Strahlung, freie Radikale und krebserregende Stoffe (zum Beispiel beim Rauchen), hinzu kommen die spontanen Veränderungen am Erbgut. Bei der Zellteilung treten Defekte und Mutationen auf. 

Für die Krebsforschung und –behandlung sei wichtig, dass man diese Mechanismen nachvollziehen könne, erklärte Preisträger Lindahl, live zur Preisverkündung zugeschaltet: „Wir wollen den Krebs eigentlich nicht besiegen, sondern selektiv Krebszellen abtöten. Eine Krebszelle ist eine abnorme Zelle, deren Verteidigungsmechanismen wir verstehen müssen, um sie inaktivieren zu können – ohne die gesunden Zellen zu zerstören.“ 

Mangelhafte Reparatur führt zu Krebs 

Der 77-jährige Tomas Lindahl ist am Francis Crick Institute und Clare Hall Laboratory in Großbritannien tätig. Seine Forschung erlangte schon in den 1970er Jahren großen Einfluss. Die Forschungsergebnisse der beiden anderen Preisträger sorgten in den 1980ern für Erfolg. Der Amerikaner Paul Modrich vom Howard Hughes Medical Institute und der Duke University School of Medicine in Durham konnte zeigen, wie die Zellen Fehler bei der Teilung beheben, ein Mechanismus, der als „Mismatch Repair“ bezeichnet wird. Menschen, bei denen dieser Mechanismus nicht funktioniert, weisen eine höhere Frequenz von vererbbarem Darmkrebs auf. 

Der dritte Preisträger, der türkische Kurde Aziz Sancar, konnte den Mechanismus nachweisen, mit dem Zellen Schäden durch UV-Strahlung reparieren. Menschen, deren DNA-Reparatur nur fehlerhaft arbeitet, können demzufolge Hautkrebs entwickeln, wenn sie dem Sonnenlicht ausgesetzt sind. Sancar arbeitet derzeit an der University of North Carolina in Chapel Hill. 

Push für schwedische Forschung 

Bei den Spekulationen über mögliche Preisträger war Tomas Lindahls Name immer wieder genannt worden, dennoch zeigte sich der Professor überrascht über die renommierte Auszeichnung. Auf die Fragen schwedischer Journalisten betonte Lindahl, dass sich der diesjährige Preis sicher positiv auf die Forschung in Schweden auswirken werde. 

„Ich hoffe, dass die schwedische Forschung durch die Tatsache ermuntert wird, dass meine Studien am Karolinska Institut in Stockholm ihren Anfang nahmen. Es geht um Grundlagenforschung, die die Basis für all mein späteres Schaffen ist. Ich bin sehr stolz und dankbar, meine Ausbildung am Karolinska Institut erhalten habe.“ 

Die Preisträger teilen sich die Preissumme von acht Millionen Kronen, das entspricht 860.000 Euro. Die Preisverleihung schließlich findet traditionell am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel, in Stockholm statt. 

Tomas Lindahl II. 

Inmitten der schwedischen Begeisterung dürfte es allerdings einen geben, der die Feierlichkeiten mit inzwischen gedämpfter Stimmung sieht: Wie die Nachrichtenagentur TT berichtet, hatte die Stadt Linköping bereits mit der Feier eines anderen Tomas Lindahl begonnen, ebenfalls Chemiker und mit Anbindung an das Karolinska Institut. Die eilends verschickte freudige Pressemitteilung der Stadtverwaltung wurde nach der Entdeckung des Irrtums ebenso schnell zurückgezogen. 

Der Forscher Tomas Lindahl aus Linköping solle jedoch die Hoffnung auf einen Nobelpreis zu einem späteren Zeitpunkt noch nicht aufgeben, hieß es entschuldigend. Er sei erst Jahrgang 1954, sein Name habe jedoch bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad.

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