Bild von 2013 zeigt Vertreter des "Tunisian national dialogue quartet". Foto: Fethi Belaid/AFP/Getty Images.
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Bild von 2013 zeigt Vertreter des "Tunisian national dialogue quartet". Foto: Fethi Belaid/AFP/Getty Images.
Nobelinstitut in Oslo. Foto: Vegard Wivestad Grøtt/NTB
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Nobelinstitut in Oslo. Foto: Vegard Wivestad Grøtt/NTB
Nobelwoche 2015

Friedens-Nobelpreis an tunesische Dialoggruppe

"Ein Signal an andere Länder"
4:15 min

Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an das Dialog-Quartett in Tunesien. Das gab das Nobelkomitee in Oslo am Freitag bekannt.

Die Dialoggruppe wird für ihren Einsatz in Folge der Jasmin-Revolution und ihre Leistungen bei der Etablierung der Demokratie in Tunesien ausgezeichnet, so die Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, Kaci Kullmann Five, bei der Preisverkündung.

Wichtig für demokratische Entwicklung

Das Dialogquartett war im Sommer 2013 gegründet worden, in einer Zeit sozialer Unruhen und Mordanschlägen, die den Demokratisierungsprozess gefährdeten. Vier Schlüsselorganisationen Tunesiens bildeten das Quartett: die Gewerkschaft UGTT, der Verband von Industrie, Handel und Handwerk (UTICA), die Liga für Menschenrechte (LTDH) und die tunesische Anwaltskammer. Mit großer moralischer Autorität sei die Gruppe als Schlichter aufgetreten und habe so die friedliche demokratische Entwicklung in Tunesien angetrieben, so die Begründung des Nobelkomitees. Das Quartett habe den Weg geebnet für einen Dialog zwischen den Bürgern, den politischen Parteien und den Behörden, und so die Ausbreitung der Gewalt in Tunesien zurückgedrängt.

Der Friedensnobelpreis 2015 werde dem Quartett als Ganzes, und nicht den einzelnen Organisationen verliehen, betonte die Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, Kaci Kullmann Five.

Vorzeigebeispiel Tunesien

„Der Arabische Frühling hatte in 2010-2011 in Tunesien begonnen und sich in zahlreiche Länder im Nahen Osten und in Nordafrika ausgebreitet“, so Kullmann Five. „In vielen dieser Länder ist der demokratische Prozess zum Stillstand gekommen. Tunesien aber hat einen demokratischen Wandel durchlebt aufgrund einer starken Zivilgesellschaft, die den Respekt vor den grundlegenden Menschenrechten einfordert.“

Der Generalsekretär der Gewerkschaft UGTT, Houcine Abassi, sagte der Nachrichtenagentur AP, er sei überwältigt von der Preisvergabe. Die Auszeichnung kröne einen über zweijährigen Einsatz in einer Zeit, als das Land an allen Fronten in Gefahr schwebte.

Im Januar 2011 war Tunesiens Diktator Zine el-Abidine Ben Ali nach zunehmenden Protesten aus dem Land geflohen. Noch im selben Jahr wurden Parlaments- und Präsidentschaftswahlen abgehalten. Tunesien gilt heute als demokratisches Vorzeigebeispiel des Arabischen Frühlings.

Erfreute schwedische Reaktionen

„Phantastisch und hochverdient“, kommentierte Schwedens Außenministerin Margot Wallström die Preisvergabe. „In Tunesien hat man nach dem Arabischen Frühling alles richtig gemacht. Das Land ist eines der wenigen Erfolgsbeispiele in diesem Zusammenhang. Die Zivilgesellschaft, für die das Quartett steht, war ein wichtiger Teil des demokratischen Prozesses. Ich hoffe, dass der Preis ein starkes Signal an andere Länder geben wird“, so Wallström im Schwedischen Fernsehen.

Auch Malin Nilsson, schwedische Generalsekretärin beim Internationalen Frauenverband für Frieden und Freiheit IKFF, begrüßte die Wahl des Nobelkomitees. „Aktivistinnen und Frauenorganisationen waren eine treibende Kraft in der Jasmin-Revolution und in der Zeit danach. Bedauerlich ist aber, dass das norwegische Nobelkomitee nicht speziell den Einsatz der Frauen und die Frauenrechte in der neuen Verfassung Tunesiens hervorheben wollte.“

227 Personen und 49 Organisationen waren in diesem Jahr dem Nobel-Komitee vorgeschlagen worden. Als eine der großen Favoriten wurde im Vorfeld Bundeskanzlerin Angela Merkel gehandelt. Ihr diplomatischer Einsatz in der Ukraine-Krise, aber auch in der jüngsten Flüchtlingskrise wurden dabei genannt.

Die Friedensauszeichnung ist mit 8 Millionen Kronen dotiert, das sind mehr als 850.000 Euro. Der Preis wird anders als die anderen Nobelpreise nicht in Stockholm, sondern in Oslo bekannt gegeben. Die Nobelpreise werden am 10. Dezember, dem Todestag von Alfred Nobel, überreicht.

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