Boxberg und Nochten. Foto: John Macdougall/TT
Braunkohlegebiete Boxberg und Nochten (Foto: John Macdougall/TT)
Hintergrund - Umwelt und Energie

Vattenfalls Braunkohle: Greenpeace darf nicht mitbieten

2:29 min

Die Umweltorganisation Greenpeace darf nicht wie geplant als potenzieller Käufer von Vattenfalls Braunkohle in Deutschland auftreten.

Die US-amerikanische Citigroup, die mit dem Verkauf der Braunkohle-Sparte des Energiekonzerns beauftragt ist, hat Greenpeace aus dem Verkaufsverfahren ausgeschlossen mit dem Argument, die Umweltorganisation sei kein seriöser Bieter. Radio Schweden sprach mit der Leiterin von Greenpeace Schweden, Annika Jacobson:

„Dieses Argument ist einfach nur falsch. Wir haben auf jeden Fall die Absicht, als seriöser Bieter an dem Verfahren teilzunehmen. Für uns ist dies eine willkürliche Begründung, die wir nicht verstehen können“, so Jacobson.

Greenpeace Schweden hatte im Oktober angekündigt, in den Verkaufsprozess von Vattenfalls Braunkohlegebieten in Deutschland und angrenzenden Kraftwerken mit einzusteigen. Die Umweltorganisation plante, eine gemeinnützige Stiftung einzurichten, über die die Braunkohlesparte langsam abgewickelt und in sozial- und umweltverträgliche Unternehmen umgebaut werden sollte.

Stiftung als umweltverträgliche Lösung

Eigenes Geld wollte Greenpeace dafür nicht zahlen. Vielmehr sollte die Stiftung eine Plattform für Investoren sein. Letztlich erhofften sich die Umweltschützer, dass Vattenfall selbst als Geldgeber in die Stiftung einsteige – nicht zuletzt deshalb, da die Folgekosten des Braunkohleabbaus immens seien und der Unternehmenswert in Wirklichkeit bei minus zwei Milliarden Euro liege, so das Argument von Greenpeace.

Am Freitagabend hatte die Citigroup ihren Beschluss, Greenpeace nicht weiterhin als Bieter zuzulassen, an die Umweltorganisation geschickt. Greenpeace ging damit am Montag an die Öffentlichkeit. Annika Jacobson befürchtet nun, dass die Braunkohlesparte des schwedischen Staatskonzerns an den Höchstbieter gehen wird und Umweltaspekte dabei unter den Tisch fallen.

„Für Citigroup und Vattenfall spielen soziale Aspekte und die Umwelt im Bieterverfahren keine Rolle, dies haben wir nun verstanden. Vielmehr geht es ihnn nur um Gewinnmaximierung. Dies ist unserer Meinung nach völlig unvernünftig. Der schwedische Staat ist Eigentümer dieses Unternehmens, und deshalb muss die Regierung Forderungen in Sachen Umwelt stellen.“

Greenpeace nimmt Regierung in Verantwortung

Die rot-grüne Minderheitsregierung Schwedens hatte vor einem Jahr beschlossen, den staatlichen Energiekonzern neu auszurichten. Mit einem Brief an den Wirtschaftsminister und drei weitere Regierungsvertretern fordert Greenpeace die Regierung nun auf, den Verkaufsprozess abzubrechen und neue Kriterien aufzustellen. Eine Antwort steht bislang noch aus. Schwedens Regierung hatte zu früherem Zeitpunkt bereits erklärt, erst dann zu einem Käufer Stellung zu nehmen, wenn dieser offiziell von der Citigroup präsentiert werde.

 

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