Schweden Papst Franziskus Foto: Janerik Henriksson / TT
Freut sich auf den Besuch des Papstes - Schwedens Erzbischöfin Antje Jackelén (Foto: Janerik Henriksson / TT) Foto: Janerik Henriksson/TT
Papstbesuch in Schweden

Erzbischöfin spricht von möglicher historischer Bedeutung

"Das ist ein großer Schritt vorwärts" (Interview auf Deutsch)
7:10 min

Das Oberhaupt der katholischen Kirche kommt zum Reformationstag in das protestantische Schweden. Diese Nachricht hatte am Montag Christen beider Konfessionen in Schweden verzückt.

Das Oberhaupt der schwedisch-lutherischen Kirche, Erzbischöfin Antje Jackelén, spricht von einem großen Ereignis, das auch historische Bedeutung haben könne.

Der Papst komme nicht als Besucher sondern als Mitinitiator, so Jackelén im Gespräch mit Radio Schweden. Der lutherische Weltbund und der Vatikan haben das Treffen zum Reformationstag in Lund Ende Oktober dieses Jahres gemeinsam vorbereitet.

Am 31. Oktober 1517 hat Martin Luther seine Thesen an der Pforte zu Wittenberg angeschlagen und damit die Kirchenspaltung eingeleitet. Die Protestanten leiten deshalb ein Jahr zuvor die Feierlichkeiten zum 500-Jährigen Jubiläum ein. Gleichzeitig feiert die katholische Kirche ein heiliges Jahr.

Interreligiöser Dialog

Die beiden Kirchen befinden sich jetzt wieder in einer Phase des Aufeinander-zugehens, meint Jackelén. Auch der interreligiöse Dialog werde dabei immer wichtiger. Der gemeinsame Dialog mit anderen Religionen könne zu Synergieeffekten für die Belebung der Ökumene führen. Zentral seien hier wie man das Evangelium gemeinsam verkündigen könne. 

Ein Problem ist die Kommunion oder das Abendmahl. Noch ist es Christen unterschiedlicher Glaubensrichtung nicht erlaubt, den Leib Christi in einer Kirche der anderen Richtung zu erhalten.

Katholische Probleme

Hier sieht Jackelén das Problem eher bei der katholischen Kirche. Eine offizielle Erlaubnis sei hier ein wichtiges Ziel. Viele würden dies aber auch schon ohne Erlaubnis tun.

Der gemeinsame Gottesdienst beim Papstbesuch werde jedoch unter anderen Vorzeichen stehen, erklärt Jackelén. In der Liturgie gehe es um Entwicklung vom Konflikt zur Gemeinschaft, das Thema wurde 2013 in einer gemeinsamen Schrift erarbeitet. Zum ersten Mal seit 500 Jahren gebe es hier eine gemeinsame Geschichtsschreibung was die Reformation anbelange. „Das ist ein großer Schritt vorwärts“, so Jackelén.

Der katholische Bischof von Schweden, Anders Aborrelius, sagte, der Papstbesuch sei auch eine Belohnung für Schweden wegen seiner großzügigen Flüchtlingspolitik. Jackelén erzählt in diesem Zusammenhang von ihrem Besuch beim Papst im Mai vorigen Jahres. Der aus Argentinien stammende Franziskus habe dabei Schweden ausdrücklich gedankt, dass das Land in den 1970er Jahre so viele Flüchtlinge aus Südamerika aufgenommen habe.

Frühe Kontakte

Der Papst habe sich dabei auch an die Begegnung mit einem Pfarrer der schwedischen Kirche damals in Argentinien erinnert. Dieser Mann habe ihn und sein Verhältnis zu protestantischen Kirche sehr geprägt, habe der heilige Vater Jackelén erzählt.

Vor dem Hintergrund, dass immer mehr Muslime nach Deutschland und Schweden kommen, müsse noch sehr viel im Verhältnis zwischen den christlichen Kirchen und dem Islam getan werden, sagt Jackelén. Dabei den Dialog zu pflegen sei eine wichtige Aufgabe. Dabei müsse auch vielen Missverständnissen vorgebeugt werden. Schwedens Erzbischöfin erinnert daran, dass Papst Franziskus zum Ausdruck gebracht habe, dass Christen, Juden und Muslime sehr viel gemeinsam hätten. Es läge eine Verpflichtung darin, die Gemeinsamkeiten zum Ausdruck zu bringen, ohne die Unterschiede zu verwässern.

Der Dialog mit anderen Religionen führe nicht dazu, seine eigenen Traditionen zu verwässern. Im Gegenteil werde man sich vielem mehr bewusst, so Jackelén. Das Kernstück des Papstbesuches werde jedoch der gemeinsame Gottesdienst im Dom von Lund sein.

Dieter Weiand

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