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Etwa 35.000 minderjährige Asylbewerber ohne Begleitung kamen im letzten Jahr nach Schweden Foto: John Alexander Sahlin/TT Foto: John Alexander Sahlin/TT
Flüchtlinge

Neuer Bericht: Warum jugendliche Asylsuchende spurlos verschwinden

"Es muss etwas unternommen werden"
2:53 min

Schweden ist Hauptzielland für minderjährige Flüchtlinge, die ohne Begleitung von Erziehungsberechtigten nach Europa kommen. Viele der jungen Asylsuchenden verschwinden bereits kurze Zeit nach ihrer Ankunft im Land und sind anschließend für die Behörden unauffindbar.

Eine neue Untersuchung gibt nun erstmals ein genaueres Bild über das Schicksal dieser Jugendlichen.

420 jugendliche Asylsuchende waren bereits kurze Zeit nach ihrer Ankunft in Schweden spurlos aus den Asylunterkünften verschwunden. Dies zeigt der neue Bericht, der im Auftrag der Provinzialregierung Stockholm erstellt wurde. Die meisten waren Jungen aus Marokko und Algerien. Die Aussichten, in Schweden Asyl bewilligt zu bekommen, sind für viele dieser Jugendlichen gering.

Kaum Aussicht auf Asyl

„Diese Kinder leben unter uns, aber in einer Parallelwelt“, so der Journalist Federico Moreno, der an einem Buch über diese Gruppe junger Asylbewerber in Schweden arbeitet, im Schwedischen Rundfunk. „Meist sind sie auf der Straße großgeworden und können den Teufelskreis des Straßenlebens nicht verlassen. Sie sind daran gewöhnt, ohne Erwachsene auszukommen. Sie kommen nach Schweden, wissen, dass sie vermutlich kein Asyl erhalten werden, und versuchen die Zeit hier zu nutzen, um Geld zu verdienen.“

Wie mit den Straßenkindern umgegangen werden soll, ist Thema auch auf höchster diplomatischer Ebene. Allein in Stockholm werden etwa 200 Minderjährige aus Nordafrika vermutet, häufig gefangen in einem Teufelskreis aus Kriminalität, Drogenmissbrauch und rücksichtloser krimineller Banden. Sie seien eine Gefahr für sich selber und für andere, wie es Moreno ausdrückt. Verhandlungen wie jüngst mit der marokkanischen Regierung zielen dabei vor allem darauf ab, die Straßenkinder los zu werden.

Kritik von der UNO

Gleichzeitig hat das UN-Kinderrechtskomitee kritisiert, dass viele der Minderjährigen aus den Asylunterkünften in Schweden spurlos verschwinden. Eine Kritik, die auch der Hauptanlass war für die neue Untersuchung, die gemeinsam mit der Polizei, Migrationsbehörde und dem Sozialamt durchgeführt wurde. Der Bericht schlägt verschiede Maßnahmen vor. Die Unterbringungen sollten besser auf diese Gruppe Asylsuchender vorbereitet werden. Anhand von Checklisten können Anzeichen dafür, dass diese Jugendliche kurz davor stehen, im harten Straßenleben unterzutauchen, entdeckt werden. Geeignete Kontaktperson müssen bereitgestellt werden und die Jugendlichen besser über die Aussichten ihrer Asylbewerbung informiert werden.

In Stockholm sollen nun Maßnahmen erarbeitet und an andere Regionen in Schweden weiterverbreitet werden, erklärt Amir Hashemi-Nik von der Provinzialregierung Stockholm:

„Das Ziel ist es zu vermeiden, dass diese Kinder verschwinden. Sie gehören zu einer Risikogruppe, und da sie keine Erziehungsberechtigten hier im Land haben, ist die Gesellschaft für sie verantwortlich. Es muss hier etwas unternommen werden.“

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