Ygeman, Flugzeug Foto: TT. Montage: Sveriges Radio.
Innenminister Ygeman kündigte mehr Abschiebungen an Foto: TT. Montage: Sveriges Radio.
Asyl

Schweden kündigt Massenabschiebungen an

"Keine leichte Aufgabe"
2:31 min

Schweden bereitet massive Abschiebungen von Asylbewerbern vor.

Fast die Hälfte aller Asylsuchenden im vergangenen Jahr erhielt kein Asyl in Schweden. Innenminister Anders Ygeman schließt nun verstärkte Zwangsabschiebungen nicht aus.

„Bereits heute finden Abschiebungen statt. Da im letzten Jahr mit 163.000 Menschen sehr viele in Schweden Asyl beantragt haben, werden viele auch negative Asylbescheide erhalten und zurückkehren müssen. Etwa 55 Prozent erhalten Asyl, was bedeutet dass 60-80.000 Menschen von den Abschiebungen betroffen sein könnten“, so der schwedische Innenminister im Schwedischen Rundfunk.

Zwangsmaßnahmen nicht ausgeschlossen

Die Regierung hat der Migrationsbehörde und der Polizei den Auftrag erteilt, Abschiebungen aus Schweden vorzubereiten, berichtet die Zeitung Dagens Industri. Laut Innenminister Ygeman sollen die Betroffenen zunächst davon überzeugt werden, freiwillig in ihre Herkunftsländer zurückzukehren. Ygeman schließt aber auch Zwangsabschiebungen nicht aus.

„Bereits heute werden Flugzeuge gechartert, was recht kosteneffektiv ist. Dies könnte auch in Zusammenarbeit mit der EU oder anderen EU-Ländern vonstattengehen“, so Ygeman. Dass die Regierung mit den Abschiebeplänen im Parlament auf Widerstand stoße könnte, glaubt Ygeman nicht. Das Hauptproblem liege im Unwillen der Herkunftsländer, Verantwortung für ihre Staatsbürger zu übernehmen, so der Innenminister. „Wir führen Diskussionen mit den nordafrikanischen Ländern und mit Afghanistan. Dies ist keine leichte Aufgabe.“

Schwierige Herkunftsländer

Laut früheren Einschätzungen der Polizei gestaltet sich die Ausweisung und Rückführung nach abgelehntem Asylbescheid bei etwa einem Drittel aller Bewerber als äußerst schwierig. In Ländern wie Somalia oder Eritrea fehlen in der Regel Kontaktpersonen für die schwedischen Behörden. Auch Afghanistan, Iran oder Irak sind komplizierte Herkunftsländer. Abschiebungen nach Russland oder in den Kosovo stoßen hingegen auf weniger bürokratischen Widerstand.

Die schwedische Polizei hat bereits signalisiert, dass verstärkte Abschiebungen ohne mehr Personal nicht durchführbar seien. Bereits heute arbeiten etwa 1.000 Beamte an den Grenzkontrollen und der Durchführung von Ausweisungen aus Schweden, sagte Patrik Engström, Leiter der Grenzpolizei. Das Personal müsse künftig wohl um das Doppelte aufgestockt werden.

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